Mit Bitcoin ensteht eine neue Vermögensklasse

Erholung der Bitcoin-Notierung: «Wir erleben die Entstehung einer neuen Vermögensklasse»

Bei Grossbanken gehen Haltung und Handlung auseinander. Mittlerweile dominieren institutionelle Investoren den Handel mit Kryptowährungen. Werner Grundlehner 13.10.2021, 10.42 Uhr Merken Drucken Teilen

Obwohl die Behörden gegen Krypto-Anbieter vorgehen, bleibt der Bitcoin in China ein Thema – hier das Logo auf einem Bus in Hongkong.
Obwohl die Behörden gegen Krypto-Anbieter vorgehen, bleibt der Bitcoin in China ein Thema – hier das Logo auf einem Bus in Hongkong. Kin Cheung / AP

Es wird auch wieder Rückschläge geben, doch momentan sehen Bitcoin-Investoren wieder einmal jeden Rücksetzer als Kaufgelegenheit («buy the dip»). Der Bitcoin ist innerhalb von drei Monaten von unter 30 000 $ auf über 58 000 $ geklettert und oszilliert nun um den Wert von 55 000 $. Im Schlepptau hat die älteste Kryptowährung dabei auch den Wert der nächstgrösseren digitalen Währungen wie Ethereum, Cardano und Ripple hochgezogen. Obwohl sich diese Kryptowährungen wegen leistungsfähigerer Blockchains und damit weiterführender Anwendungen wie Defi (Decentralized Finance) und NFT (Non-fungible Token) vom Bitcoin abheben, ist dieser weiterhin der Taktgeber bezüglich Stimmungslage für die ganze Branche.

Wieder einmal auf dem Weg nach oben

Bitcoin in $ 20172021020 00040 00060 000 Quelle: Bloomberg NZZ / gru.

Bei der Kursentwicklung des Bitcoins gibt es ein gewisses Muster zu erkennen. In einer Boomphase klettert der Wert des Coins innert weniger Tage stark an und erreicht neue Höchststände. Diese können nur kurz gehalten werden, und es erfolgt eine heftige Korrektur. Die Notierung pendelt sich wieder ein, und es erfolgt eine Konsolidierungsphase. Dies passiert jedoch auf deutlich höherem Niveau als bei der letzten Konsolidierungsphase. Zudem werden die Phasen des «Bitcoin-Winters» auch mit jedem Mal kürzer. Dafür sind die institutionellen Investoren verantwortlich.

Die Professionalisierung beginnt

Nach den Sturm-und-Drang-Jahren mit enormen Kursschwankungen, in denen besonders private Anleger auf unregulierten Online-Marktplätzen gehandelt hätten, beginne eine Ära der Professionalisierung, schreibt das Beratungsunternehmen Bain & Company. Institutionelle Anleger forcierten die Weiterentwicklung von Bitcoin und ähnlichen digitalen Zahlungsmitteln hin zu einer eigenständigen Asset-Klasse.

Die weltweiten Umsätze allein im Handel mit Kryptowährungen sind gemäss Bain von 2016 bis 2020 von rund 2 Mrd. $ auf etwa 13 Mrd. $ gestiegen. In diesem Zeitraum explodierte das Handelsvolumen: Es schnellte von rund 400 Mrd. $ auf gegen 10 000 Mrd. $ hoch. Dabei entfielen im vergangenen Jahr nur noch 20% der Krypto-Transaktionen auf die vor allem von privaten Anlegern genutzten Marktplätze. Das von institutionellen Anlegern dominierte ausserbörsliche OTC-Geschäft (Over the Counter) vereinigte bereits 35% des Handels auf sich, rechnet das Beratungsunternehmen vor. Drei Jahre zuvor waren es gerade einmal 5% gewesen. Noch dynamischer entwickelte sich der Markt für Derivate: Er stand 2020 für 45% des gesamten Handelsvolumens.

Professionelle machen’s ausserbörslich

«Der Markt für Kryptowährungen institutionalisiert sich», schreibt Bain. Professionelle Anleger bevorzugten den OTC-Handel vor allem wegen der höheren Flexibilität. Mit Derivaten sicherten sie sich zunehmend gegen die unverändert bestehenden Ineffizienzen und die hohe Volatilität im Markt ab. Angesichts des milliardenschweren Engagements institutioneller Anleger sei der «Point of no Return» überschritten: «Wir erleben die Entstehung einer neuen Asset-Klasse.»

Die traditionellen Banken leben dabei eine zwiespältige Haltung vor. Prominente Vertreter der Institute lehnen Bitcoin und Co. als «Schneeballsystem» oder Ähnliches ab. Doch im Hintergrund werden für die Kunden, die Krypto-Werte nachfragen, die entsprechenden Angebote geschaffen. Ein treffendes Beispiel für diese Haltung ist die US-Grossbank JP Morgan Chase. Der Geschäftsführer Jamie Dimon wettert seit Jahr und Tag gegen Bitcoin und Co. Vor einigen Jahren bezeichnete er die weltgrösste Kryptowährung als «Betrug».

Angestellten, die Bitcoin handelten, droht er mit sofortiger Entlassung. Später erklärte er, der Bitcoin entwickle sich zu einer «wirklich grossen Sache». Die US-Bank hat ihren Privatkunden kürzlich den Zugang zum Handel mit Kryptowährungen eröffnet. Doch Dimon ist nicht bekehrt. Er interessiere sich nicht für den Bitcoin und die Leute verschwendeten zu viel Zeit damit, gab er jüngst zu Protokoll.

Auch Staaten agieren zwiespältig

In die Schlagzeilen schaffen es Berichte über ein «Krypto-Verbot» in China und global relevante Notenbanker, die eine Regulierung des Sektors fordern. Doch dabei sieht es ähnlich aus wie bei den Grossbank-Meinungen zum Bitcoin. Staatliche Aufsichtsbehörden rund um den Globus schaffen im Hintergrund den nötigen Rahmen für eine Professionalisierung des Krypto-Marktes. Die Schweiz hat mit der DLT-Gesetzgebung (Distributed-Ledger-Technologie) einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. In Deutschland sind etwa die Regelung des Krypto-Verwahrgeschäfts sowie das Gesetz über elektronische Wertpapiere Meilensteine. In den USA zeigt sich die Börsenaufsicht SEC inzwischen offen für krypto-basierte ETF. Zahlreiche Anbieter stehen bereits in den Startlöchern. China verfolgt zwar einen restriktiven Kurs gegenüber Krypto-Dienstleistern, arbeitet dabei aber selbst an einer eigenen elektronischen Währung.

Obwohl sich die Schweiz mit dem Crypto Valley am Zugersee als Pionier sieht, ist es mit der Adaption von Kryptowährungen hierzulande nicht so weit her. Die Schweiz ist im aktuellen Länder-Ranking für das Interesse an Kryptowährungen der Plattform «Broker Chooser» nur auf Platz 39 gelandet. Dort ist die Schweiz in guter Gesellschaft mit anderen Industrieländern. Diese Länder verfügen über stabile Währungen und eine funktionierende Infrastruktur im Finanzsystem. In Schwellen- und Entwicklungsländern ist die breite Bevölkerung dagegen auf der Suche nach Zahlungsmitteln, die inflationsgeschützt sind und sich leicht transferieren lassen.

Die Plattform errechnet diesen Index aus einem Mischwert aus dem Anteil der Krypto-Investoren in der Bevölkerung und Suchanfragen im Internet zum Thema. Bezüglich des Anteils von Krypto-Investoren liegt die Ukraine vor Russland, Kenya, den USA, Indien, Südafrika und Nigeria. In diesen Länden investieren zwischen 6 und 13% der Bürgerinnen und Bürger in Bitcoin und Co.

Quelle: https://www.nzz.ch/finanzen/erholung-der-bitcoin-notierung-wir-erleben-die-entstehung-einer-neuen-vermoegensklasse-ld.1650157 geladen am 13.10.2021

Drei wichtige Faktoren für den erfolgreichen Vermögensaufbau

Deutsche denken falsch über Geld

Wer wirklich vermögend werden will, muss richtig mit drei Faktoren umgehen

Wenig Geld in der Tasche? Drei Faktoren müssen Sparer beachten, um wirklich vermögend zu werden.
dpa/Andreas Gebert Wenig Geld in der Tasche? Drei Faktoren müssen Sparer beachten, um wirklich vermögend zu werden.

Montag, 11.10.2021, 13:36

Was braucht es, um vermögend zu werden? Ich nenne heute drei Faktoren, ohne die es nur schwer geht. Wichtig ist, das Zusammenspiel der drei Faktoren zu verstehen. Und genau hier begehen die meisten einen Fehler, der sie am Ende eher von ihrem Ziel, vermögend zu werden, entfernt, als dass er ihnen dabei hilft, es zu erreichen.

Ein Mal im Jahr geht mein Blutdruck so richtig durch die Decke, weil ich mich mal wieder besonders aufrege: Es ist immer dann der Fall, wenn Forschungsinstitute wie das Institut der deutschen Wirtschaft mal wieder über Reichtum berichten. Dann lese ich Sätze wie „Paare ohne im Haushalt lebende Kinder, die mehr als 5.294 Euro netto monatlich zur Verfügung haben, zählen in Deutschland zu den reichsten zehn Prozent. Bei Singles liegt die Grenze bei 3.529 Euro.“ Das ist meiner Meinung nach aber vollkommener Unfug. Denn nehmen wir einen Single, der 5.000 Euro Netto im Monat zur Verfügung hat, aber gleichzeitig Konsumschulden in Höhe von 40.000 Euro, dann ist er nicht reich, sondern schlichtweg pleite.

Aber genau diese falsche Sichtweise auf Reichtum, die auch sehr stark in den Medien vertreten wird, führt dazu, dass gerade Menschen mit einem soliden Einkommen – die klassische Mittelschicht – einen falschen Eindruck davon bekommen, was notwendig ist, um heute vermögend zu werden. Das Einkommen ist dabei nur ein Faktor. Ein weiterer Faktor ist die Sparquote: Wie viel vom verdienten Geld bleibt am Ende des Monats übrig? Und der dritte Faktor ist das Investieren. Zwischen diesen drei Faktoren gibt es einen Zusammenhang, den es zu verstehen gilt.https://www.focus.de/finanzen/boerse/geldanlage/undefined

So viel Vermögen sammelt sich durchschnittlich an

Schauen wir uns zunächst einmal die Zahlen anhand von Durchschnittswerten in Deutschland an. Laut dem Statistischen Bundesamt verfügte der durchschnittliche Haushalt in Deutschland über ein Haushaltsnettoeinkommen von 3.580 Euro pro Monat. Die Sparquote beträgt im langfristigen Mittel rund elf Prozent, zuletzt war sie 2020 mit 16,1 Prozent außer der Reihe mal richtig hoch. Damit stehen von den 3.580 Euro im Schnitt also 393,80 Euro pro Monat für Investments zur Verfügung. Schwieriger wird es, statistische Daten für das Investieren zu finden. Klar kann man die durchschnittlichen Renditen des MSCI World nehmen, aber das blendet aus, dass es nicht unbedingt ratsam ist, immer sein ganzes Kapital in Aktien zu investieren. Aber auch andere Vermögensklassen wie Immobilien und auch Anleihen bringen auf die lange Sicht ansehnliche Renditen (der REX Performance Index hat seit 1988 rund 4,8 Prozent pro Jahr gebracht), so dass wir das Beispiel am besten mal mit drei Renditen durchrechnen: sechs, sieben und acht Prozent pro Jahr.

Nehmen wir nun unseren Durchschnitts-Deutschen und gehen davon aus, dass er vom 23. bis zum 67. Lebensjahr sein Geld anlegt. Mir ist bewusst, dass jemand in jungen Jahren durchaus weniger verdient als im Alter, dafür ist bei manchem Jungen die Sparquote (oder die mögliche Sparquote) auch höher, so dass es, glaube ich, gar nicht so einen großen Unterschied macht, hier mit den Durchschnittswerten zu rechnen. Bei einer jährlichen Rendite von sechs Prozent hat der Anleger mit 67 Jahren ein Vermögen von rund 975.000 Euro, bei sieben Prozent pro Jahr sind es 1,31 Millionen Euro und bei acht Prozent pro Jahr sind es 1,76 Millionen Euro.

Über den Experten

Matthias Schmitt ist seit 2001 Vorstand der HWPH AG, eines der weltweit führenden Auktionshäuser für Historische Wertpapiere. Daneben war er als Redakteur u.a. für Börse Online und die Financial Times Deutschland (FTD) tätig. Im Jahr 2011 wurde er für den Beitrag “Das vergessene Risiko” mit dem Journalistenpreis des Deutschen Derivate Verbands in der Kategorie Print (Tageszeitung und Magazin) ausgezeichnet. 2020 rief Schmitt den YouTube-Kanal und Blog Finanzgeschichten.com ins Leben.

Wir sehen also: Wer in allen drei Bereichen nur den Durchschnitt erreicht, bringt es im Laufe der Zeit zu einem stattlichen Vermögen. Dabei dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass ein Euro in 44 Jahren wesentlich weniger Kaufkraft hat als heute. Aber dafür steigt auch im Laufe der Zeit der Durchschnittsverdienst an, so dass mehr investiert werden kann. Mir geht es mit dem Beispiel vielmehr darum zu zeigen, dass drei Mal das Mittel – und nicht Extremwerte – ausreichen, um eine solide finanzielle Basis – die viele Freiheiten (früher in Rente gehen, Ruhestand im sonnigen Süden, oder einfach nur den einen oder anderen Urlaub extra etc.) – ermöglicht.

Bei den drei Faktoren unterliegen viele einem Denkfehler

Der entscheidende Punkt liegt nun darin, das Zusammenspiel der drei Faktoren zu verstehen. Die meisten Menschen denken hier additiv. Ich möchte das an einem Beispiel erklären. Nehmen wir an, in jeder der drei Kategorien gibt es Werte zwischen 0 und 100 Punkten. Wer 0 erzielt ist der Schlechteste, wer 100 Punkte bekommt, ist in diesem Segment der Beste. In Summe sind also zwischen 0 und 300 Punkte möglich, der Durchschnitt liegt bei 150 Punkten. In dieser Denkweise wäre es egal, wo man die Punkte erzielt. Die Praxis ist aber anders: In der Praxis ist die Verknüpfung multiplikativ: Wer in einer der drei Kategorien versagt, hat am Ende nichts: Wer zu wenig verdient, wird es schwer haben, etwas zu sparen. Ihm bringt es dann auch nichts, wenn er ein noch so begnadeter Investor ist.

Wer richtig gut verdient und dort zum Beispiel zu den eingangs erwähnten oberen zehn Prozent gehört, der kommt nicht weit, wenn seine Sparquote bei Null liegt (oder sogar negativ ist). Ganz wichtig ist für diesen Punkt das Mindset. Ich empfehle hier mal die Geschichte von Falk dem Dividendenjäger, der eindrucksvoll zeigt, was man in einer überschaubaren Zeit bereits erreichen kann, wenn es bei diesem Punkt einmal Klick gemacht hat. Zudem hat er in etwas mehr als fünf Jahren ein schön diversifiziertes Portfolio aufgebaut.

Und wer gut verdient und auch davon was zurücklegt, aber nicht investiert, sondern das Geld nur auf dem Konto bunkert, auch der erzielt am Ende nur ein maues Ergebnis. Umgedreht – und das erlebe ich aktuell auch sehr häufig – gehen viele davon aus, dass es notwendig ist extrem riskant (Pennystocks, Daytrading, Meme-Stocks, etc.) zu investieren, um es zu etwas zu bringen. Aber auch das ist falsch: Diese Anleger blenden aus, dass nur ein geringer Prozentsatz derer, die extrem spekulativ anlegen, am Ende auch die Ziellinie erreicht. Viele ruinieren sich vorher und haben dann eine Null beim Investieren und damit beim Gesamtergebnis stehen.

Bei der multiplikativen Verknüpfung sind nun Werte zwischen null und einer Million möglich. Wenn einer der drei Bereiche Null ist, ist das Ergebnis Null! Wer überall im Mittel liegt, erreicht 50 x 50 x 50 = 125.000 Punkte. Das entspricht in dem oben erwähnten Beispiel vom durchschnittlichen Deutschen dann am Ende einem Vermögen bei Rentenbeginn von irgendwo um eine Million Euro.

So drehen clevere Sparer an den drei Stellschrauben

Zunächst ist es also mal wichtig, dafür zu sorgen, in keinem der drei Bereiche in der unteren Hälfte zu landen. Damit ist die Basis nun dafür gelegt, langfristig vermögend zu werden. Wer höhere Ziele anstrebt, kann sich nun überlegen, an welche der drei Stellschrauben er herangehen möchte:

  • Höheres Einkommen
  • Höhere Sparquote
  • Höhere Renditen

Die ersten beiden Punkte dürften dabei die sein, die sich am schnellsten umsetzen lassen. Beim Punkt Arbeit sind vor allem Fortbildungen sowie die Überstunden ein Weg, aber auch der Beginn einer selbständigen Nebentätigkeit, die einem Spaß macht (und damit nicht wirklich Belastung ist). Das mehr verdiente Geld kann nach Abzug von Steuern direkt investiert werden und bringt dann auch automatisch die Sparquote hoch.

Auch die Sparquote lässt sich relativ einfach etwas verbessern. Dazu empfehle ich einfach mal eine Zeit lang ein Haushaltsbuch zu führen und und unnötige Ausgaben ausfindig zu machen. Last but not least hat man durch einen kalkulierten Verzicht auf Versicherungen mehr Geld für Investments zur Verfügung. Denn Vermögen ist der beste Versicherungsschutz!

Der schwierigste Part dürfte es sein, im Bereich der Investments deutliche Zuwächse zu erzielen. Denn hier sind neben reinem Wissen auch über Jahre hinweg gesammelte Erfahrungen notwendig. Wenn man sich allein jetzt aktiv mit diesem Thema beschäftigt, ist man schon mal locker in der oberen Hälfte, wahrscheinlich sogar im oberen Viertel der Bundesbürger.

Dich wichtigste Botschaft, die ich mit diesem Beitrag vermitteln wollte: In keinem der drei Bereiche muss man ganz oben dabei sein. Viel wichtiger ist, in keinem Bereich so daneben zu greifen, dass man in der unteren Hälfte landet. Wer in allen drei Bereichen – Verdienen, Sparen, Investieren – zur oberen Hälfte gehört, hier und da noch eine kleine Schippe oben drauf legt, werden Zeit und Zinseszinseffekt zu einem echten Vermögen führen.

Quelle: https://www.focus.de/finanzen/boerse/geldanlage/deutsche-denken-falsch-ueber-geld-richtig-vermoegen-aufbauen-alles-haengt-an-drei-entscheidenden-faktoren_id_24317078.html geladen am 11.10.2021

Edward Snowden über das Pegasus Projekt

Edward Snowden: „Das sollte uns mehr als alles andere Angst machen“

Edward Snowden zeigt sich im Interview über die Größenordnung der Enthüllungen des Pegasus Projects schockiert. Er fordert ein Moratorium für den Handel mit Cyberwaffen. 19. Juli 2021, 17:43 Uhr 339 Kommentare Artikel hören

Edward Snowden: Edward Snowden in seinem Moskauer Exil
Edward Snowden in seinem Moskauer Exil © [M] ZEIT ONLINE, Foto: Dmitri Beliakov/​Polaris/​ddp

„Das sollte uns mehr als alles andere Angst machen“

Paul Lewis („The Guardian“) führte für das Journalistenkonsortium The Pegasus Project dieses Interview. Wir publizieren es in einer leicht gekürzten Fassung.

Pegasus Project: Wie war Ihre erste Reaktion auf das, was das Pegasus Project herausgefunden hat?

Edward Snowden: Es ist schockierend. Wir sprechen hier über etwas in der Größenordnung von 50.000 Telefonnummern aus einer ganzen Reihe Länder, über etwas sehr Aggressives. Es geht um Journalisten, es geht um Regierungsvertreter, es geht um Vertreter der Opposition, es geht um Menschenrechtsaktivisten. Es ist furchtbar. Ich habe natürlich seit Langem den Verdacht, dass Missbrauch mit Überwachungsmöglichkeiten getrieben wird. Das haben wir 2013 gesehen. Aber damals waren es ausschließlich Regierungen, die größtenteils intern arbeiteten und Druck auf kommerzielle Anbieter ausübten. Das Ganze hatte noch eine Fassade von Legitimität oder Rechtmäßigkeit, Verfahren und Abläufen. Das reichte nicht, es war trotzdem ein gescheitertes Konzept, aber es war wenigstens etwas. Was das Pegasus-Project zeigt, ist, dass die NSO Group in Wirklichkeit Repräsentant eines neuen Markts für Schadware ist. Es handelt sich um ein gewinnorientiert arbeitendes Unternehmen. Denen sind Gesetze egal, denen sind Regeln egal. Sie verkaufen an jeden verlässlichen Kunden, bei dem sie das Gefühl haben damit durchzukommen und dass man ihnen nicht auf die Schliche kommt. Die gesamte Branche der kommerziellen Hersteller von Intrusion-Software basiert auf einer Lüge. Sie behaupten, Leben zu schützen und Verbrechen zu verhindern, aber in vielen Ländern wird diese Software Tag für Tag dazu genutzt, Menschen auszuspionieren, die keine legitimen Ziele sind. Remaining Time -0:00 The Pegasus Project – So können Staaten nahezu jedes Mobiltelefon weltweit hacken Die Cyberwaffe Pegasus greift Smartphones über Sicherheitslücken unbemerkt an. Wer die Ziele sind und warum eine Gegenwehr mittlerweile zwecklos ist. Ein Erklärvideo © Foto: Nicolás Grone

PP: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Erkenntnis, was diese Enthüllungen und den Leak anbelangt?

Snowden: Es ist überall. Es handelt sich um einen Industriezweig, der überhaupt nicht existieren sollte. Wir sehen, was die NSO Group, die möglicherweise berühmteste dieser Truppen, im Schilde führt. Aber die NSO Group ist nur ein Unternehmen von vielen. Wenn dieses eine Unternehmen schon dermaßen übel riecht, was ist dann mit all den anderen? Das Pegasus-Projekt hat eine Branche aufgedeckt, die als einziges Produkt Infektionsvektoren anbietet. Es handelt sich nicht um Sicherheitsprodukte. Sie bieten keinerlei Form von Schutz, sind in keiner Form vorbeugend. Sie stellen keine Impfstoffe her. Das Einzige, was sie verkaufen, ist das Virus. Und zu sagen, dass sie ja nur an Staaten verkaufen, macht es nicht besser, wenn man sich ansieht, wer die Ziele sind, die gerade bekannt geworden sind.

The Pegasus Project

The Pegasus Project

Die Partner

Die Daten

Die Pegasus-Spuren

Monatelang recherchierten Reporterinnen und Reporter aus zahlreichen Ländern, wo, wie und gegen wen die Spionagesoftware Pegasus des israelischen Unternehmens NSO von Geheimdiensten und Polizeibehörden weltweit eingesetzt wird. Ausgangspunkt war eine Liste mit mehr als 50.000 Handynummern aus rund 50 Ländern, die dem gemeinnützigen Verein Forbidden Stories sowie Amnesty International zugespielt wurde.
 

PP: Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Überwachungslecks und Enthüllungen, am wichtigsten war dabei zweifelsohne Ihre Arbeit. Wie sehen Sie diesen Fall im Vergleich?

Snowden: Das ist zweifelsohne einer der wichtigsten Fälle. Diese Art Material bekommt man nicht einfach so und wenn man Zugang dazu hat, dann teilt man ihn. Alle haben Angst: „Es ist so sensibel, darüber kann man nicht schreiben.“ Oder jemand sagt: „Mit Ihrem Vorgehen haben Sie eine laufende Ermittlung in Gefahr gebracht.“ Aber wie dieses Konsortium zusammenarbeitet … sie nehmen Nummern, deren Inhaber unbekannt sind, und bestätigen die Identität bestimmter Personen, ohne sie dafür zwingend kontaktieren zu müssen und dann erkennen sie: „Oh, diese Person ist Minister in einer Regierung, und diese Person ist Chefredakteur einer Zeitung …“ Das sind große Zeitungen und zentrale Einrichtungen, auf die wir uns verlassen. Hier wird ein Vorhang zurückgezogen und eine Detailtiefe gezeigt, wie wir sie nie zuvor beobachtet haben.

PP: Sie haben bei früherer Gelegenheit Smartphones als „Spion in der Hosentasche“ bezeichnet. Bestätigt dies Ihre Auffassung?

Pegasus Project: Angriff auf die Demokratie

Spionagesoftware Pegasus: BKA hat NSO-Spähtrojaner bereits mehrfach eingesetzt Spionagesoftware Pegasus: BKA kaufte heimlich NSO-Spähsoftware Pegasus-Überwachungssoftware: Angreifbar Weitere Beiträge

Snowden: Es ist sogar noch schlimmer. Als ich vom Spion in der Hosentasche sprach, ging es um das Potenzial, die Fähigkeit und dass diese Geräte mit dem Mobilfunknetz kommunizieren und Ihren Standort übermitteln. Facebook bespitzelt uns, aber das sind größtenteils Programme für kommerzielle Zwecke. Was wir dagegen hier beobachten, ist der Aufbau einer Industrie, die diese Telefone hackt und über das uns bereits bekannte Maß an Bespitzelung hinausgeht. Diese Leute übernehmen die volle Kontrolle über das Telefon und richten es gegen die Menschen, die es gekauft und dafür bezahlt haben, es aber in Wirklichkeit gar nicht mehr besitzen. Und diese Telefone sind Klone. Geräte wie zum Beispiel das iPhone laufen rund um die Welt mit derselben Software. Findet man also einen Weg, ein iPhone zu knacken, hat man einen Weg gefunden, sie alle zu knacken. Und das tun sie und das verkaufen sie. Das ist ein wissentlicher, absichtlicher und vorsätzlicher Angriff auf kritische Infrastruktur, auf die sich alle verlassen müssen. Es ist egal, unter welcher Flagge man lebt und welche Sprache man spricht, wir alle sind davon betroffen.

PP: David Kaye, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Meinungsfreiheit, sagte, die globale Überwachungsindustrie sei außer Kontrolle geraten. Hat er recht?

Snowden: Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Bezahlte Überwachungsdienste hat es schon früher gegeben. Unternehmen konnten Wanzen herstellen, verborgene Mikrophone, und sie verkaufen. Aber der Staat bekommt sie oder die örtliche Polizei bekommt sie, aber sie muss dann in das Haus einer Person eindringen, in ihr Auto oder ihr Büro, und wir hoffen zumindest, dass es einen gültigen Gerichtsbeschluss dafür gibt. Derartige Operationen sind schwierig und kostspielig, insofern werden sie tatsächlich nur dort eingesetzt, wo sie unbedingt erforderlich sind und halbwegs im Verhältnis zu der Bedrohung stehen, die von der Person ausgeht, gegen die ermittelt werden soll. Aber wenn sie dasselbe aus der Entfernung tun können, die Kosten gering sind und keinerlei Risiko besteht, dann fangen sie an, das die ganze Zeit zu tun, gegen jeden, der auch nur ansatzweise von Interesse ist. Und das zeigt eine Liste von 50.000 betroffenen Personen. Man verwanzt keine 50.000 Häuser. Es gibt in all diesen Ländern schlichtweg nicht genügend Fachleute für Verwanzung, um etwas Derartiges durchzuführen. Aber wenn es ihnen möglich ist, sich einfach Zugriff auf das zu verschaffen, was Sie in Ihrer Tasche mit sich herumtragen, dann können sie das tun und werden es tun.

„Sie haben ihr Ziel erreicht“

PP: Ihre Enthüllungen rückten die Möglichkeiten ins Rampenlicht, die NSA und GCHQ zur Verfügung stehen. Glauben Sie, diese Regierungen könnten Spionage in dieser Form betreiben, ohne dabei von der privaten Sicherheitsindustrie unterstützt zu werden?

Snowden: Das hängt vom jeweiligen Land ab. Reden wir über ein sehr fortschrittliches Land – ja, klar. Verfügt man dort über einen hoch entwickelten Technikmarkt – klar. Aber viele der autoritärsten Länder, wir reden beispielsweise über Kasachstan, über Usbekistan, über Bahrain, stehen mit ihren geschlossenen Gesellschaften dem technischem Fortschritt nicht sehr freundlich gegenüber. Insofern ist es schwierig, sich diese Fähigkeiten zu beschaffen. Aber wenn man einfach jemanden bezahlt, diese als Dienstleistung bereitzustellen, dann kann man loslegen und alles tun, was man möchte. Eine derartige Politik verursacht keine Kosten. Was wäre die Alternative, wenn es diese Unternehmen nicht gäbe? Würden die Regierungen einfach sagen: „Wir können niemanden bespitzeln, wir können unsere Untersuchungen nicht fortsetzen, wir können nicht nach Kriminellen und Terroristen suchen?“ Natürlich nicht. Sie würden ihre eigenen Entwickler darauf ansetzen, sie würden interne Lösungen erarbeiten, ihre eigenen Werkzeuge entwickeln. Das wäre ein schwieriges und kostspieliges Unterfangen. Es wäre ineffizient. Aber wir wollen das. Bei diesen Menschen handelt es sich nicht um Entwickler, sie entwickeln nichts Nützliches. Es handelt sich um Infizierer. Sie erschaffen Wege, eine Art Krankheit für Mobilfunkgeräte herbeizuführen. Sie finden Schwächen, ungeimpfte Zugangsorte. Das ist wie ein Industriezweig, der ausschließlich maßgeschneiderte Covid-Varianten entwickelt, die gegen die Impfstoffe immun sind.

Und genau das ist es, was sie verkaufen, für Ihr Telefon, für Ihren Computer. In anderen Bereichen, etwa der Entwicklung biologischer Waffen, können wir Staaten nicht aufhalten. Und was NSO erschaffen hat, befiel grenzüberschreitend Geräte, es hat Cluster in Gemeinden mit einem Patient Null infiziert. Sie infizieren all ihre Freunde, all ihre Kollegen, alle Menschen, die sie kennenlernen. Und das wäre nicht geschehen – jedenfalls nicht an so vielen Orten, nicht so leicht und zu denselben Kosten –, wenn diese Unternehmen nicht aus Gewinnmotiven heraus das Virus hätten verbreiten dürfen. NSO tut das nicht, um die Welt zu retten, sondern aus einem einzigen Grund heraus – um Geld zu verdienen.

NSO

Wer ist NSO?

243 Millionen Dollar Umsatz

Bürgerrechtlerinnen und Journalisten als Ziel

Die drei Buchstaben NSO stehen eigentlich für die Vornamen der drei Gründer Niv, Shalrev und Omri, doch sind sie in den vergangenen Jahren zu einem Synonym für Überwachung geworden. Denn das israelische Unternehmen verkauft ein System namens Pegasus, mit dem jedes Mobiltelefon weltweit angegriffen, übernommen und ausgespäht werden kann. NSO darf Pegasus jedoch nur an staatliche Polizeibehörden und Geheimdienste abgeben, die israelische Regierung muss jeweils zustimmen.

NSO wurde 2010 gegründet, 2011 fand das Unternehmen mit Mexiko den ersten Abnehmer für sein Überwachungswerkzeug. Heute hat NSO nach eigenen Angaben 45 Polizeibehörden, Militärs und Geheimdienste in 36 Ländern als Kunden. Darunter sind zum Beispiel Marokko, Kasachstan und die Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch das EU-Land Ungarn oder die Demokratie Indien.

PP: Wie ausgeklügelt ist Pegasus?

Snowden: Das Pegasus-Instrumentarium verfolgt wie alle Malware-Anbieter am Markt das Ziel der Remote-Code-Ausführung. Das gilt auch für die nicht kommerziellen Anbieter, mit deren Hilfe Hacker rund um den Globus PCs mit Ransomware bestücken und direkt Geld stehlen. Auf diese Weise kann man ohne das Zutun des Nutzers auf ein Gerät zugreifen, man kann nach Fehlern in der Software auf diesem Gerät suchen und ohne dass der Nutzer irgendeine Art Fehler begeht, kann man die eigene Software laufen lassen, die eigenen Programme, eigene Anweisungen geben. Und das ist es den öffentlichen Angaben zufolge, was Pegasus tut. Sie haben also ihr Ziel erreicht. Aber zu welchem Preis für die Gesellschaft?

PP: Vor wem sollten wir mehr Angst haben, vor der NSA oder der NSO?

Snowden: Das führt zurück zu einer Frage, die aufkam, als ich 2013 an die Öffentlichkeit ging. Die Leute sagten: „Warum haben Sie Angst vor dem Staat, wenn es kommerzielle Unternehmen gibt, die die Menschen ganz genauso bespitzeln?“ Sie dachten an Facebook, Google, Amazon. Und die Antwort lautete stets: „So schlimm es ist, was die Unternehmen tun, sie können einen wenigstens nicht ins Gefängnis werfen. Sie können Ihr Auto nicht mit einer Rakete beschießen. Sie befehlen keine Drohnenangriffe.“ Also konzentrieren wir uns doch an allererster Stelle auf den Staat und nachdem wir den reformiert haben, kümmern wir uns um die Unternehmen. Die Staaten haben ihre Reformbemühungen eingestellt und was die kommerziellen Überwachungsmethoden angeht, gab es keinerlei Reformen. Seit 2013 sind nahezu zehn Jahre vergangen und wir haben die Geburt von Unternehmen wie der NSO Group miterlebt, die ein Geschäft betreiben, wie es nie zuvor eine Firma betrieben hat. Sie bieten nicht irgendwelche Dinge zum Verkauf an. Sie bringen Menschen ins Gefängnis, sie sorgen dafür, dass sie getötet werden. Wir sprechen hier über ein Privatunternehmen, das Hacks auf eine Art und Weise durchführt, wie es auch die NSA könnte. Und das sollte uns mehr als alles andere Angst machen, denn wir haben es nicht nur mit einem einzelnen Unternehmen zu tun, sondern mit einer ganzen Branche.

PP: Wen ziehen wir in diesem Fall zur Verantwortung? Das Unternehmen oder den Staat, der diese Spyware einsetzt?

Snowden: Die korrekte Antwort lautet natürlich: beide. Aber es geht nicht darum, wen man in beispielsweise Israel zur Rechenschaft zieht oder in beispielsweise diesem speziellen Unternehmen. Meiner Meinung nach sollten sich alle strafrechtlich verantworten müssen, die sich an diesem Markt beteiligen. Es muss ein globales Moratorium geben, was den kommerziellen Handel mit Exploits oder Angriffsvektoren angeht. Aber wir müssen Dinge wie Schutzforschung betreiben. Dazu verbieten wir den Handel und berauben die Menschen, die das tun, ihres Gewinnmotivs. Wenn die NSO Group damit kein Geld verdienen könnte, würde sie übermorgen den Laden zumachen, dasselbe gilt für all die anderen Unternehmen in diesem Feld. Aber wir müssen uns in Europa und den Vereinigten Staaten auch eine allgemeinere Frage stellen: Wie können diese Unternehmen kommerziell dermaßen erfolgreich sein und sich dermaßen kühn rund um den Globus ausbreiten? Ganz offensichtlich haben unsere Regulierungsmaßnahmen versagt. Seit zehn Jahren hat sich Europa gedacht: „Vielleicht können wir das ja kontrollieren, vielleicht lässt sich das Problem mit Exportkontrollen lösen?“ Heute jedoch sehen wir, dass die Exportkontrollen voll und ganz an der Aufgabe gescheitert sind, die Auswirkungen zu kontrollieren, die die kommerzielle Malware-Industrie für die Öffentlichkeit hat. Und wenn Ausfuhrkontrollen und leichtere Regulierung nicht funktionieren, dann müssen wir über ernstere Maßnahmen nachdenken. Dieses Problem lässt sich meiner Meinung nach nur lösen, wenn wir den Handel mit dieser Art von Technologie mit einem globalen Moratorium belegen.

Pegasus

Was kann Pegasus?

iMessage als Hintertür

Text, Wort, Bild: Alle Daten werden gesammelt

Verschlüsselung hilft nicht

Pegasus gilt unter Experten als das derzeit leistungsfähigste Spähprogramm für Handys und wird als Cyberwaffe eingestuft. NSO hat sein Vorzeigeprodukt stetig weiterentwickelt. Anfangs wurde noch eine SMS mit einem Link verschickt, auf den das Opfer klicken musste. Erst dann konnte sich Pegasus auf dem Gerät installieren. Inzwischen bemerkt der Besitzer oder die Besitzerin eines Mobiltelefons es gar nicht mehr, wenn das Gerät von dem Spionageprogramm angegriffen wird.

NSO sucht dazu mit großem Aufwand nach noch unbekannten Sicherheitslücken in allen Programmen, die auf einem Mobiltelefon laufen. 860 Programmierer und Programmiererinnen arbeiten für das Unternehmen. Ein großer Teil von ihnen ist damit beschäftigt, solche Lücken in Apps und mobilen Betriebssystemen zu finden.

Eine Person mit Insiderwissen sagte, die durchschnittliche Anzahl von Zielen pro Kunde und Jahr liege bei 112. Bei 45 Kunden wären das also etwas mehr als 5.000 mit Pegasus attackierte Ziele.

PP: Was können die Menschen zu ihrem Schutz tun?

Snowden: Was können die Menschen tun, um sich vor Atomwaffen zu schützen? Was können sie tun, um sich vor biologischen oder chemischen Waffen zu schützen? Es gibt bestimmte Industrien, bestimmte Wirtschaftszweige, vor denen es keinen Schutz gibt. Aus diesem Grund versuchen wir, die Weiterverbreitung dieser Technologien zu begrenzen. Wir dulden keinen kommerziellen Markt für Atomwaffen. Wir dulden keinen kommerziellen Markt für chemische oder biologische Waffen. Aber wenn es um diese digitalen boshaften Angriffsvektoren geht, unternehmen wir rein gar nichts. Wir müssen den Verkauf dieser Intrusiontechnologie stoppen. Das ist der einzige Weg, wie wir uns schützen können. Es geht darum, ein globales Moratorium für diesen Handel zu unterstützen.

Übersetzung: Matthias Schulz

Quelle: https://www.zeit.de/digital/2021-07/edward-snowden-spionage-software-pegasus-handy-ueberwachung-diktaturen geladen am 07.10.2021

Medizin: WHO empfiehlt erstmals Malaria-Impfstoff für Kinder

Hunderttausende Menschen sterben noch immer jährlich an Malaria. Ein neuartiger Impfstoff soll Kinder nun besser schützen. Die WHO spricht von einem Durchbruch. 6. Oktober 2021, 19:21 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, KNA, AFP, fa22 Kommentare Artikel hören

Malaria Impfung
Malaria-Untersuchung in Tansania © Katy Migiro/​Reuters

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmals die breite Anwendung eines Impfstoffes gegen Malaria empfohlen. Die Vakzine RTS,S solle an Kinder in Afrika südlich der Sahara und in anderen Malaria-Regionen verabreicht werden, teilte die UN-Behörde in Genf mit. „Der lang erwartete Malaria-Impfstoff für Kinder ist ein Durchbruch für die Wissenschaft, die Gesundheit von Kindern und den Kampf gegen Malaria“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.

Zusammen mit bisherigen Präventionsmaßnahmen könnten nun jährlich Zehntausende junge Leben gerettet werden, sagte Ghebreyesus. Der aus Eritrea stammende Biologe, der früher selbst zu Malaria forschte, äußerte sich stolz darüber, dass das Mittel in Afrika entwickelt und erprobt worden sei.

Die Empfehlung beruht auf Pilotversuchen mit rund 800.000 Kindern in Ghana, Kenia und Malawi. Unter den jungen Geimpften sind tödliche Krankheitsverläufe laut der WHO um 30 Prozent zurückgegangen. Die Vakzine sei sicher, betonte Tedros.

Jedes Jahr infizieren sich rund 200 Millionen Menschen mit dem Malaria-Erreger. Für 400.000 von ihnen verläuft die Ansteckung tödlich; zwei Drittel der Opfer sind Kinder unter fünf Jahren. 94 Prozent der Malaria-Todesfälle verzeichnet der afrikanische Kontinent.

Impfstoff wirkt gegen Malaria-Parasiten

Malaria wird durch Plasmodium-Parasiten ausgelöst, die durch infizierte Mücken auf Menschen übertragen werden. Infizierte bekommen oft Fieber und Schüttelfrost und leiden an Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Bei schweren Verläufen kommen unter anderem Atemnot, Krämpfe und Blutungen hinzu, die meisten schwer betroffenen Menschen sterben ohne ärztliche Behandlung. Der Impfstoff wirkt gegen den tödlichsten mehrerer Malaria-Parasiten, Plasmodium falciparum. Newsletter

Vor rund 20 Jahren wurde der Schutz vor Mückenstichen in Malaria-Gebieten intensiviert, unter anderem durch den Einsatz von Moskitonetzen für die Nacht, die mit Insektiziden behandelt sind. Dadurch gingen die Infektionszahlen zurück. Seit ein paar Jahren stagnierten sie aber. Seit 2019 laufen die Pilotversuche mit dem Impfstoff in Afrika.

Den Impfstoff entwickelte das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline. Unterstützt wurde das Unternehmen von der Malaria-Impfstoff-Initiative der gemeinnützigen Organisation PATH, die auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Quelle: https://www.zeit.de/gesundheit/2021-10/malaria-impfstoff-who-empfehlung-impfung-kinder-afrika-medizin geladen am 07.10.2021

Verwaltungsgerichtshof kippt Söders erste Ausgangsbeschränkung

06.10.2021, 17:22 Uhr

Juristische Niederlage für die Staatsregierung: Die Ausgangsbeschränkung in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 war laut Bayerischem Verwaltungsgerichtshof „unverhältnismäßig“ und damit unwirksam. Die Staatsregierung erwägt eine Revision.

Als sich im Frühjahr 2020 die erste Corona-Welle in Deutschland ausbreitete, setzten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und seine Staatsregierung auf besonders strenge Regeln: Während die anderen Bundesländer Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum einführten, ging der Freistaat ein Stück weiter und verhängte eine „vorläufige Ausgangsbeschränkung“: Demnach war das „Verlassen der eigenen Wohnung nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt“ – dazu zählten unter anderem der Weg zur Arbeit oder zum Arzt, Einkäufe, und der Besuch bei Lebenspartnern. „Die Polizei ist angehalten, die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung zu kontrollieren“, hieß es in der bayerischen Corona-Verordnung vom 31. März 2020.

Die entsprechenden Passagen der Verordnung, die vom 1. bis 19. April 2020 galt, hat der 20. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs in Ansbach nun für unwirksam erklärt. Zwar sei die Ausgangsbeschränkung „grundsätzlich geeignet“ gewesen, die Übertragung des Coronavirus zu hemmen. In ihrer konkreten Ausgestaltung sei es aber „keine notwendige Maßnahme“ gewesen, heißt es in dem Beschluss, der dem BR vorliegt. Denn die Regelung sei „so eng gefasst“ gewesen, dass sie gegen das „Übermaßverbot“ verstoßen habe. Somit sei die Ausgangsbeschränkung unverhältnismäßig gewesen. Zuerst hatte der „Münchner Merkur“ über die Entscheidung berichtet.

Richter: Das mildere Mittel wählen

Der Beschluss enthält dabei eine klare Botschaft des Verwaltungsgerichtshofs an die Politik: Bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen müsse „von mehreren gleich geeigneten Mitteln“ jenes gewählt werden, das die Grundrechte am wenigsten belaste. „Im vorliegenden Fall kämen als mildere Maßnahme Kontaktbeschränkungen im öffentlichen und privaten Raum in Betracht, da diese den Aufenthalt von Einzelpersonen im öffentlichen Raum unberührt lassen“, so die Richter.

Das Argument des Freistaats, dass die restriktivere Beschränkung im Vergleich immer die „besser geeignete“ Maßnahme sei, lassen die Richter nicht gelten: Diese Aussage sei in ihrer Allgemeinheit „unzutreffend“.

„Infektiologisch unbedeutend“

Darüber hinaus war die vorläufige Ausgangsbeschränkung in ihrer konkreten Form nach Meinung des Verwaltungsgerichtshofs auch „unangemessen“: „Es ist nicht ersichtlich, warum die Gefahr der Bildung von Ansammlungen eine landesweite Ausgangsbeschränkung rechtfertigen sollte, zumal diese Gefahr lediglich an stark frequentierten Lokalitäten bestanden haben dürfte“, heißt es in dem Beschluss: „Hier wären auch regionale und örtliche Maßnahmen das mildere Mittel gewesen.“ Laut Verwaltungsgerichtshof ist es „für sich gesehen infektiologisch unbedeutend“, ob sich eine Person allein oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts außerhalb der eigenen Wohnung im Freien aufhält.

Ministerium: Beschränkungen waren „vollumfänglich richtig“

Gegen den Beschluss ist eine Revision beim Bundesverwaltungsgericht zugelassen – „weil die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat“. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte dem BR mit, die Staatsregierung werde den Beschluss genau prüfen und schließe eine Revision nicht aus. Die Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Pandemie seien „durch unzählige Gerichtsentscheidungen“ bestätigt worden.

Die Staatsregierung sei „nach wie vor der Auffassung, dass die gesetzten Beschränkungen vollumfänglich richtig waren“, betonte der Ministeriumssprecher. Aufgrund der gesundheitlichen Notlage habe die Staatsregierung schnell und konsequent handeln. „Das gilt auch für den in dieser VGH-Entscheidung in Frage stehenden, konkreten Fall.“

Scharfe Kritik aus der Opposition

Der rechtspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Christoph Maier, wertete den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs als „Sieg des Rechtsstaats über Söders entfesselte Corona-Politik“. Die AfD-Fraktion habe immer wieder auf den „grundgesetzwidrigen Charakter“ dieser Politik hingewiesen und sei nun erleichtert, „dass die Staatsregierung vom höchsten bayerischen Gericht in die Schranken gewiesen wurde“. Maier forderte die Staatsregierung auf, sich bei den Bürgern zu entschuldigen und sämtliche Corona-Beschränkungen aufzuheben.

Der bayerische SPD-Fraktionschef Florian von Brunn beklagte, Söder sei im Frühjahr 2020 „deutlich übers Ziel hinausgeschossen“. Der Ministerpräsident habe den harten Corona-Manager gegeben, ohne dass es für die Virus-Bekämpfung notwendig gewesen wäre. Der SPD-Politiker fügte hinzu: „Es war auch damals klar, dass Menschen keine Gefahr darstellen, wenn sie alleine das Haus verlassen oder ein Buch auf einer Parkbank lesen.“

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/verwaltungsgerichtshof-kippt-markus-soeders-erste-ausgangsbeschraenkung,Sl2uJUZ geladen am 07.10.2021

Bargeldvorrat für den Stromausfall?

Macht es Sinn, für einen Stromausfall oder einen anderen Krisenfall Bargeld zu horten? Ich würde sagen: unbedingt!

Bargeld ist wichtig bei Stromausfall

Bequem ist sie schon, die Welt des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Bankkarte, Kreditkarte oder Zahlung mit dem Handy, schnell und einfach, überwachbar…

Zumindest solange der Strom aus der Steckdose kommt. Denn bei einem Stromausfall funktioniert kein Geldautomat, keine elektronische Kasse und auch am Bankschalter wird man kein Bargeld mehr bekommen.

Zwar ist es eher unwahrscheinlich, dass man in den großen Supermarktketten mit Bargeld zahlen kann, wenn die Kassen und Warenwirtschaftssysteme nicht funktionieren, aber in kleineren Geschäften oder bei direktvermarktenden Landwirten oder in Bauernläden ist das vielleicht noch möglich.

Auch wenn man mit dem Auto mangels Sprit liegen bleibt (auch Tankstellenkassen brauchen Strom), ermöglicht einem eine Handvoll Cash möglicherweise den Erwerb eines vollen Treibstoffkanisters von einem freundlichen Autofahrerkollegen.

Und gerade in der Anfangszeit eines Blackouts wird man noch Geld gegen Lebensmittel oder andere Waren eintauschen können.

Wieviel Bargeld soll ich bevorraten?

Diese Frage ist ganz von den persönlichen Möglichkeiten abhängig. Wie wäre es, sich schrittweise Ziele zu setzen?

Erst einmal die Bargeldmenge für einen üblichen Wocheneinkauf sammeln, dann vielleicht auf zwei Einkäufe aufstocken? Bargeld für eine Tankfüllung Sprit ins Auto legen?

Den Betrag für die Miete in bar zuhause haben? Irgendwann sogar ein ganzes Monatsgehalt?

Wie soll der Bargeldvorrat beschaffen sein?

Kleine Scheine sind von Vorteil. Fünfer, Zehner, Zwanziger, auch noch ein paar Fünfziger. Benötigt man in einer Krise Bargeld, ist es immer gut, wenn man sich nicht darauf verlassen muss, dass der Handelspartner Wechselgeld hat. Deshalb machen kleinere Einheiten auf jeden Fall Sinn.

Wie lege ich mir eine Bargeldreserve an, wenn ich finanziell sowieso nicht gerade üppig aufgestellt bin?

Eine Möglichkeit ist das klassische Sparschwein, wie wir es wohl alle als Kinder hatten. Dort regelmäßig das Kleingeld aus dem Geldbeutel einwerfen und einmal im Monat in Scheine umtauschen.

Eine ziemlich gut funktionierende Methode ist „Fünfer sammeln“. Dabei zahlt man so oft wie möglich mit Bargeld und jedes Mal, wenn man einen Fünf-Euro-Schein mit dem Wechselgeld erhält, dann wird der nicht wieder ausgegeben, sondern kommt in eine Spardose.

Eignen sich Gold und Silber als Notgroschen?

Ja, aber nicht unbedingt in Form von Schmuck. Mit Stand Ende Juli 2020 hat der Goldpreis durch die C-Krise und damit verbundene unsichere Wirtschaftslage ein neues Allzeithoch erreicht.

Wenn Gold ein Teil des eigenen Notvorratskonzepts sein soll, dann in offiziellen Anlagemünzen, wie z. B. Krugerrand oder Wiener Philharmoniker. Die gibt es nämlich nicht nur in ganzen Unzen sondern auch in kleineren Einheiten. Das macht nicht nur das Ansparen einfacher sondern auch das Eintauschen im Notfall.

Bargeld ist immer nur eine Ergänzung zur Krisenvorsorge

Bargeld kann in einer Krisensituation hilfreich sein und sollte natürlich auch entsprechend sicher aufbewahrt werden. Wenn die Einkaufsmöglichkeiten allerdings begrenzt sind, hilft es mir auch nicht. Es kann daher immer nur als Ergänzung zu einer guten Grundvorsorge dienen.

Wenn ich mich und meine Familie für 14 Tage mit allem Lebensnotwendigen versorgen kann, ohne dass ich meine Bankomatkarte oder Bares benötige, dann kann ich schon viel beruhigter schlafen.

Darum möchte ich euch auch meine anderen Artikel zur Krisenvorsorge empfehlen.

Quelle: https://www.stromausfall.info/bargeldvorrat-fuer-den-stromausfall_de_n2767.html geladen am 06.10.2021

Große Studie deutscher Mieten und Kaufpreise

Moderate Preise sind vorbei

Familie braucht 5500 Euro netto, um sich eine Wohnung in München leisten zu können

In München ein knappes Gut: Bezahlbarer Wohnraum.
dpa/Marc Müller In München ein knappes Gut: Bezahlbarer Wohnraum.

Dienstag, 05.10.2021, 16:54

Wohnen ist teuer. Dieser Grundsatz gilt zwar nicht für alle Regionen in Deutschland, für die Metropolen trifft dieser allerdings auf jeden Fall zu. Wie teuer der Kauf einer Immobilie sein kann und wie groß die regionalen Unterschiede bei den Mietpreisen sind, zeigt jetzt eine aktuelle Studie. Für Links auf dieser Seite erhält FOCUS Online ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit gekennzeichnete. Mehr Infos

Im Bundestagswahlkampf gab es kaum ein Thema was so oft diskutiert wurde: das Wohnen. Wie bedeutsam und wichtig das Thema ist, zeigte sich auch bei der Volksinitiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ (mehr dazu). Die Mehrheit der Berliner Wähler stimmte dafür. Ziel der Initiative ist es große Berliner Wohnungskonzerne zu enteignen, um die Mietpreisspirale zu druchbrechen. Viele Berliner haben mit hohen Mieten und Wohnraummangel zu kämpfen. Wie teuer Wohnraum in Deutschland – vor allem in Großstädten – sein kann, zeigt nun auch die aktuelle Studie von Homeday.

Teure Mieten vor allem in Metropolen

Dafür wertete der digitale Immobilienmakler Mietangebote aus über 80 großen deutschen Städten im Zeitraum von Mai bis August 2021 aus. Dabei wurden anhand von zwei Wohnungsgrößen die Mietpreise in Abhängigkeit von der jeweiligen Wohngegend bestimmt. Die Größe der Wohnungen orientieren sich an der Durchschnittsgröße einer Wohnung nach dem Mikrozensus 2018. Für Einzelpersonen wurde daher eine Wohnungsgröße von 59 m² und für Familien eine von 95 m² zugrunde gelegt.https://www.focus.de/immobilien/wohnen/undefined

Für die Mieten hat Homeday nicht nur mit den genannten Mustergrößen kalkuliert, sondern auch Immobilien mit einer Größe des 0,5- bis 1,5-fachen berücksichtigt, also auch Objekte zwischen 48 und 143 m². Aus dieser Stichprobe kalkulierte Homeday dann die Medianmiete pro Quadratmeter. So gibt die Studie einen guten Überblick über den aktuellen Wohnungsmarkt in Deutschland.

Dabei zeigen sich enorme preisliche Unterschied. Während eine 59-m²-Immobilie in Plauen – der günstigsten Stadt im Rahmen der Studie – nur 266 Euro kostet, werden in München, der teuersten Stadt, im Median 1.475 Euro fällig und damit mehr als das Fünffache monatlich.

Ähnlich sieht das auch bei Wohnungen (95 m²) für Familien aus. Hier reicht die Spanne von 427 Euro (Plauen) bis hinzu 2.301 Euro (München).  Auffallend ist, dass vor allem Wohngegenden in München unter den vordersten Plätzen der „100 teuersten Wohngegenden in Deutschland“ rangiert. Neben dieser Münchener Omnipräsenz sind unter den Top 100 fast ausschließlich Wohngegenden aus Hamburg, Berlin und anderen großen Metropolregionen zu finden.

Im Gegensatz dazu die 100 erschwinglichsten Wohngegenden in der Studie: Hier dominieren neben Wohnregionen aus den östlichen Bundesländern auch Regionen aus Nordrhein-Westfalen. Die meisten Wohnimmobilien für Einzelpersonen gibt es da bereits für deutlich unter 500 Euro, für Familien unter 700 Euro Miete im Monat. Ein leicht anderes Bild zeigt sich, wenn das Median-Nettoeinkommen der einzelnen Wohngegenden in Relation zum Mietpreis gesetzt wird.

Hier steht nicht mehr München an der Spitze der teuersten Wohngegenden, sondern Hamburg und dann Berlin. In der „HafenCity“ müssen Einzelpersonen im Median 62,22 Prozent ihres Nettoeinkommens aufwenden, um sich eine knapp 60-m²-große Wohnung leisten zu können. Familien müssen hingegen „nur“ noch etwa 50 Prozent ihres verfügbaren Einkommens aufwenden. Im Gegensatz dazu stehen Städte wie Zweibrücken, Essen oder Chemnitz: Hier benötigen Einzelpersonen für die Miete gerade einmal 15 Prozent, Familien für 95 m² sogar nur knapp 11 Prozent ihres Einkommens.

Wer in München mieten will, muss 3500 Euro netto verdienen

Noch greifbarer wird der Unterschied, wenn das Mindest-Nettoeinkommen für eine Wohnung in Relation zur jeweiligen Wohngegend gesetzt wird. Dabei wird die Annahme getroffen, dass ein Haushalt maximal 40 Prozent seines Einkommens für die Miete aufwenden kann. Der Prozentsatz spiegelt die Schwelle des Statistischen Bundesamts wider, ab der Sie von einer finanziellen Überlastung sprechen.

Und so zeigen sich dann hier enorme Unterschiede. Während Münchener Einzelpersonen mehr als 3500 Euro und Familien über 5500 Euro Nettohaushaltseinkommen brauchen, sieht das in anderen Teilen der Republik anders aus. In Plauen wird gerade einmal ein Nettoeinkommen von knapp 700 Euro beziehungsweise 1100 Euro gebraucht, um sich eine Wohnung leisten zu können. Damit braucht es in München ein fünfmal höheres Einkommen für eine vergleichbare Wohnungsgröße.

Auch Kaufen ist in Metropolen am teuersten

Doch nicht nur bei Mietimmobilien ergeben sich je nach Region deutliche Preisunterschiede. Auch beim Erwerb einer Wohnimmobilie kommt es zu einem starken regionalem Gefälle. Dafür wurden, analog zu den Mietpreisen, aus über 80 großen Städte die Verkaufsinserate analysiert und entsprechend aufbereitet. Und so zeigen sich auch wieder regionale Unterschiede zwischen Ost und West, Land und Metropolregion.

In Teilen der Bundesrepublik sind knapp 100 m² große Immobilien schon für deutlich unter 100.000 Euro zu haben. In Plauen, wo die Mietpreise bereits am billigsten waren, gibt es entsprechende Immobilien für 87.000 Euro. In München hingegen werden im Median Teils über 1,1 Millionen Euro fällig und damit mehr als das Zwölffache.

Das spiegelt sich dann natürlich auch in der Tilgungsdauer der Wohnimmobilien. Während in den 100 billigsten Wohngegenden bereits nach zehn Jahren die Immobilie komplett getilgt ist, dauert es in den Top 100 der teuersten Regionen deutlich länger. Hier wird im Median erst nach 30 Jahren die letzte Rate gezahlt – in München sogar teilweise erst nach 46 Jahren.

Wohnen ist ein zentrales Thema in den nächsten Jahren

Überraschend sind die Ergebnisse der Studie jedoch nur zum Teil. Bereits seit Jahren wird über die teuren Mieten und Kaufpreise in Metropolregionen berichtet. Besonders die Ergebnisse hinsichtlich der Relation von Mietpreis und Einkommen sind teilweise unerwartet. Das sagt auch Steffen Wicker, CEO und Gründer von Homeday: „Lange Zeit war Wohnen in Deutschlands Metropolen günstig im Vergleich zu internationalen Großstädten. Die Zeit der moderaten Preise ist nun vorbei. Die Situation in Deutschlands Großstädten wird der in London, Paris,Barcelona oder Mailand immer ähnlicher.“

Um diese Situation zu verbessern, drängt Wicker auf einen schnelleren Wohnungsbau, denn: „Die Verlierer der aktuellen Entwicklung sind vor allem junge Menschen, die ohnehin über ein knappes Budget verfügen sowie Personen, die aus privaten oder beruflichen Gründen zum Umzug gezwungen sind. Um sich das Wohnen noch leisten zu können, müssen sie immer häufiger bis an die finanzielle Belastungsgrenze gehen oder weite Wege vom Stadtrand auf sich nehmen. Dies wird von vielen Menschen als ungerecht empfunden.“

Die neue Bundesregierung – ob „Ampel“ oder „Jamaika“ – wird nun gezwungen sein, dieses Problem anzugehen. Das dieses Thema vielen Menschen wirklich wichtig ist, zeigte bereits die Annahme der Berliner Volksinitiative zur Enteignung. Ob die neue Dreier-Koalition aber die Wohnprobleme entsprechend lösen kann, hängt nun hauptsächlich von deren Veränderungswillen und Vitalität ab. Einen Stillstand über die nächsten vier Jahre kann sich Deutschland auch in Hinblick auf andere Themen wie Klima oder Rente nicht leisten.

Quelle: https://www.focus.de/immobilien/wohnen/moderate-preise-sind-vorbei-t_id_24282480.html geladen am 05.10.2021

Pandora Papers enthüllen Offshore-Geschäfte

Pandora Papers

Riesiges Datenleck enthüllt Offshore-Geschäfte hunderter Politiker weltweit

Bahamas dpa/Roland Witschel Die Bahamas gelten als eine von vielen Steueroasen der Welt. Sonntag, 03.10.2021, 18:42

Ein riesiges Datenleck enthüllt die Geschäfte Hunderter Politiker und Amtsträger mit Briefkastenfirmen weltweit. In den 11,9 Millionen vertraulichen Dokumenten, die Journalisten auf der ganzen Welt über Monate hinweg ausgewertet haben, finden sich neben Regierungsvertretern auch Oligarchen, Kriminelle und Prominente.

Hunderte Politiker und Amtsträger aus aller Welt verstecken ihr Geld in Steueroasen. In einem neuen Datenleck finden sich 35 amtierende und frühere Staatslenker sowie mehr als 330 Politiker und Amtsträger aus fast 100 Ländern, die Vermögen mithilfe von intransparenten Trusts, Stiftungen und Briefkastenfirmen angelegt haben.

Das geht aus einem Datenleck hervor, das mehr als 600 Journalistinnen und Journalisten auf der ganzen Welt ausgewertet haben. In Deutschland waren NDR, WDR und SZ daran beteiligt. Die mehr als 11,9 Millionen Dokumente tragen den Namen Pandora Papers. Sie wurden dem Internationalen Consortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) von einer anonymen Quelle zugespielt. https://www.focus.de/politik/ausland/undefined

Tschechischer Premierminister und jordanischer König involviert

Der tschechische Premierminister Andrej Babis hat internen Unterlagen des panamaischen Finanzdienstleisters Alcogal zufolge über eine Reihe von Briefkastenfirmen ein französisches Chateau und drei Hektar Land gekauft – offenbar ohne dies, wie vorgeschrieben, in seiner Heimat offenzulegen. Babis, der sich derzeit im Wahlkampf befindet, wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Der jordanische König Abdullah II. kaufte über mehrere Briefkastenfirmen Immobilien in Großbritannien und den USA im Wert von über 100 Millionen Dollar. Seine Anwälte teilten mit, dass der Kauf über Briefkastenfirmen abgewickelt worden sei, um seine Familie zu schützen und anonym zu bleiben.

Weiter hieß es, die meisten Briefkastenfirmen existierten nicht mehr. Zudem gehörten nicht alle in den Daten gefundenen Immobilien dem König. Details nannten die Anwälte nicht. Jordanien zählt zu den ärmeren Ländern des Nahen Ostens und erhält seit Jahren Entwicklungshilfe aus den USA und Europa.

Autokraten-Familie erwarb Immobilien im Wert von 550 Millionen Euro

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta sollte offenbar von einer Stiftung in Panama profitieren, deren Existenz bislang nicht öffentlich bekannt war.Auch Mitglieder der Familie des aserbaidschanischen Autokraten Ilham Aliyev tauchen in den vertraulichen Unterlagen auf.

Sie und Vertraute der Familie haben über Briefkastenfirmen Immobilien in Großbritannien für mehr als 550 Millionen Euro erworben. Viele der Gebäude wurden bereits weiterverkauft. Anfragen zu den Recherchen ließen Kenyatta und die Aliyev-Familie unbeantwortet.

Auch Putin-Vertraute tauchen in den Dokumenten auf

Die Dokumente zeigen auch, wie zahlreiche Männer und Frauen, die parallel zu Wladimir Putins Aufstieg zum russischen Präsidenten zu Geld und Einfluss gelangt sind, ihr Vermögen in Steueroasen angelegt haben und mithilfe undurchsichtiger Firmenkonstruktionen verschleiern. Während Putin das Offshore-System seit 2011 immer wieder als „unpatriotisch“ geißelt, haben etliche seiner Vertrauten genau dort investiert.

Pandora Papers sind das bislang größte Datenleck zu Geschäften in Steueroasen

Die geheimen Dokumente von 14 in Steueroasen tätigen Finanzdienstleistern reichen bis ins Jahr 2021. Die Pandora Papers sind damit das bislang größte Datenleck zu Geschäften in Steueroasen. In den vertraulichen Dokumenten finden sich neben den Namen von prominenten Spitzensportlern und Firmenvorständen auch Kriminelle.

So zeigen die Daten, wie Mafiosi Briefkastenfirmen nutzen, um ihren Besitz zu verschleiern und anonym zu bleiben. Organisierte Betrugsnetzwerke bauen weit verzweigte Firmengeflechte auf, um Kunden um ihr Vermögen zu bringen.

Journalisten aus 117 Ländern an Recherchen beteiligt

An den Pandora Paper Recherchen waren Journalistinnen und Journalisten von 150 Medienorganisationen aus 117 Ländern beteiligt. Zu den Partnermedien zählen unter anderem die Washington Post, der Guardian, der Indian Express, Le Monde und Aftenposten. Die Ergebnisse der Recherche werden von Sonntagabend an weltweit veröffentlicht.

Quelle: https://www.focus.de/politik/ausland/pandora-papers-pandora-papers-riesiges-datenleck-enthuellt-offshore-geschaefte-hunderter-politiker-weltweit_id_24301394.html geladen am 03.10.2021

Breaking: Warnung vor Stromausfall im Winter

Verbraucher zahlen Rekord-Preise

Kettenreaktion in Gang gesetzt: 3 Gründe, warum Energiepreise durch die Decke gehen

Die Energieversorger haben im vergangenen Jahr rund 230.000 Verbrauchern in Deutschland wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abgestellt.
Marcus Brandt/dpa Die teuren Gaspreise setzen aktuell eine teure Kettenreaktion in Gang.

Freitag, 01.10.2021, 10:27

Explodierende Gaskosten führen zu höheren Strompreisen und teureren Lebensmitteln: Verbraucher müssen sich auf einen schwierigen Winter einstellen. Erste Länder ergreifen bereits Maßnahmen, um die Konsumenten zu entlasten. Was Verbraucher jetzt zur weltweiten Energiekrise wissen müssen. Für Links auf dieser Seite erhält FOCUS Online ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit gekennzeichnete. Mehr Infos

Während die deutsche Politik aktuell noch mit Farbenspielen beschäftigt ist und die Bürger rätseln, welche Parteien eine neue Regierung bilden, braut sich im Schatten dieser Diskussionen eine handfeste Krise zusammen. So droht der sprunghafte Anstieg der weltweiten Energiepreise – insbesondere für Erdgas – derzeit ganze Industrien und die Politik in vielen Ländern ins Wanken zu bringen und dürfte für Verbraucher im Winter vor allem eins werden: teuer.

In Europa haben die Erdgaspreise inzwischen ein Rekordhoch erreicht und in den USA sind die Preise zuletzt so hoch wie seit 2014 nicht mehr. Die asiatischen Märkte befinden sich ebenfalls im Aufwind. Iqbal Z. Ahmed, der Vorsitzende eines Gasimporteurs in Pakistan, bezeichnet die aktuelle Situation in seinem Land einem Interview als „verrückt“ und sprach von einem sich selbstzerstörerischem Trend.

Auch deutsche Verbraucher bekommen diese Gaspreisrally vielerorts bereits zu spüren. Ganz unmittelbar beim Heizen, denn annähernd jeder zweite Haushalt in Deutschland nutzt dafür Gas. Schon jetzt haben nach Angaben des Vergleichsportals Verivox 32 regionale Gasanbieter für September und Oktober Preiserhöhungen von durchschnittlich 12,6 Prozent angekündigt. Beim Beheizen eines Einfamilienhauses führt das zu durchschnittlichen Mehrkosten von 188 Euro im Jahr.

Höchstpreise für Erdgas verteuern auch unseren Strom und sogar unser Abendessen

Doch damit nicht genug. Die höheren Erdgaspreise setzen aktuell eine vielschichtige und teure Kettenreaktion in Gang, die unter anderem die Kosten für Elektrizität nach oben treibt, da weltweit etwa ein Viertel der Stromerzeugung mit Erdgas betrieben wird. In Asien sind es mehr als 30 Prozent, und in den USA und Europa liegt der Anteil sogar bei 40 Prozent.

Beim Tanken geraten Verbraucher unterdessen auch immer mehr ins Staunen: Experten befürchten, dass die aktuelle Preisrally am Gasmarkt auf den Ölmarkt übergreifen könnte. Die Nordseesorte Brent kletterte in den vergangenen Tagen erstmals seit drei Jahren über den Wert von 80 Dollar.

Und in Großbritannien zeigt sich beim Supermarktbesucher schon heute ein weiterer Nebeneffekt: Erdgas ist ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung von Düngemittel, das die Lebensmittelindustrie für den Anbau von Nahrungsmitteln verwendet. Doch die hohen Gaspreise haben bereits zwei große Düngemittelfabriken im Vereinigten Königreich zur Produktionseinstellung gezwungen und die Preise für die Landwirte in die Höhe getrieben. Die wiederum reichten den Kostenfaktor weiter – an den Rest der Bevölkerung.

Warum die Gas- und Energiepreise gerade so stark nach oben gehen

Gründe für diesen weitreichenden Preisschub beim Erdgas gibt es mehrere. Erstens: Die Nachfrage steigt. Da sich einige Volkswirtschaften allmählich von der Corona-Pandemie erholen, gibt es in allen Wirtschaftszweigen einen deutlich größeren Bedarf. Das gilt vor allem für Asien.

Die dortige Nachfrage an Flüssigerdgas (LNG) beeinflusst auf den eng verflochtenen Erdgasmärkten auch das Preisniveau in Europa. Laut dem Brokerhaus Alliance Bernstein stieg der Bedarf nach LNG allein in China um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommt, dass die Brasilianer so viel Flüssigerdgas wie noch nie importieren, da eine Dürre die Wasserkraftwerke außer Betrieb gesetzt hatte.

Zweitens ist das Angebot vielerorts zu gering. In Europa ist in den Speichern nach dem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 weniger Gas eingelagert als sonst. In Deutschland sind sie aktuell zu rund zwei Drittel gefüllt. Zum Vergleich: Vor einem Jahr betrug der Füllstand gut 94 Prozent.

Die über ganz Deutschland verteilten unterirdischen Speicher gleichen vor allem im Winter Verbrauchsspitzen aus. An kalten Tagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland aus inländischen Speichern abgedeckt, heißt es beim Branchenverband Initiative Erdgasspeicher. Rund 23 Milliarden Kubikmeter Gas können in den Speichern gelagert werden. Das ist etwa ein Viertel der jährlich in Deutschland verbrauchten Erdgasmenge. Warum in den Speichern derzeit weniger Gas ist als üblich, lässt sich nicht abschließend beantworten. Dazu beigetragen hat aber unter anderem, dass die Förderung des über Pipelines verschickten Erdgases aus den Niederlanden, Großbritannien und Norwegen in diesem Jahr unter anderem wegen Wartungsarbeiten schwächelt.

Das Problem dabei: Jetzt, wo die Nachfrage wieder anzieht und der Winter bevorsteht, steigen die Preise sprunghaft an, da es erhebliche Bedenken gibt, ob genug Gas für die Saison vorhanden ist.

Drittens sind die Alternativen knapp. Früher lag die Antwort auf eine drohende Gasknappheit auf der Hand: Man hätte „einfach“ ein stillgelegtes Kohlekraftwerk anwerfen können, um den Stromengpass billig aufzufangen. Doch heute, wo der Klimawandel die Regierungen auf der ganzen Welt dazu zwingt, ihre strikten Energiesparvorgaben einzuhalten, ist das nur die allerletzte Option, wie gerade in Großbritannien. Selbst in der Kohlenation China mussten seit August viele Menschen über Stunden im Dunkeln sitzen und Fabriken ihre Produktion herunterfahren, damit das Land seine Energieziele zum Jahresende erreicht.

Energiepreise werden zu ungünstigem Zeitpunkt teuer

Diese unglückliche Gemengelage, die Experten schon seit längerer Zeit auf eine weltweite Energiekrise hinauslaufen sehen, geschieht zu einem wirtschaftlich und politisch ungünstigen Zeitpunkt. Einige große Volkswirtschaften haben bereits mit einer hohen Inflation zu kämpfen. Allein in Deutschland hat die Teuerungsrate im September erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke überschritten, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand einer vorläufigen Berechnung mitteilte. Weiter steigende Energiepreise werden diesen Druck in den kommenden Monaten noch verstärken. Das dürfte weltweit politische Konsequenzen nach sich ziehen.

Nicht nur die Ambitionen von US-Präsident Joe Biden, das Leben für Familien der Mittelschicht in seinem Land erschwinglicher zu machen, könnte scheitern. Auch der britische Premierminister Boris Johnson dürfte weiter in Erklärungsnot geraten. Schließlich hat in dem Königreich der Mangel an Lkw-Fahrern schon jetzt eine Kraftstoffkrise verursacht, die zum höchsten Inflationsanstieg aller Zeiten beigetragen hat. In Frankreich hingegen könnten sich die Entwicklungen unmittelbar auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr auswirken. DasThema birgt viel sozialen Sprengstoff, so viel steht fest.

Lesen Sie dazu: Spediteur schildert Probleme – Benzin-Not durch LKW-Fahrer-Mangel: Szenario droht auch Deutschland 

Daher ist es wenig verwunderlich, dass einige Regierungen bereits mit konkreten Maßnahmen gegensteuern und an Lösungen arbeiten. In Italien etwa plant die Regierung von Premierminister Mario Draghi Subventionen in Milliardenhöhe, um die hohen Strom- und Gaskosten für Verbraucher und Unternehmen abzufedern. Frankreich beabsichtigt den 5,8 Millionen Haushalten, die bereits Energiegutscheine erhalten, mit einer zusätzlichen einmaligen Zahlung von 100 Euro unter die Arme zu greifen. Madrid hingegen schlägt gemeinsame Gaskäufe der EU vor, um die Einkaufsmacht der 27 Mitgliedstaaten zu stärken. Doch noch steht der Plan nicht.

Wie lange hält die Energiekrise an?

Dabei ist die Lage ernst. Wie kritisch die Situation am Ende wird, hängt jetzt erstmal kurzfristig von zwei Faktoren ab: die Verfügbarkeit russischer Lieferungen und dem Wetter. Doch hinter beiden Punkten steht ein großes Fragezeichen.

So kursieren in Europa Vermutungen, dass Russland seine Lieferungen absichtlich zurückzuhalte – als Druckmittel zur schnelleren Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2. Ein Vorwurf, den der Kreml jedoch strikt zurückweist. Gazprom, betont Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, erfülle alle bestehenden Lieferverträge. „Unser Unternehmen, die russische Seite, erfüllt zu 100 Prozent und sogar darüber hinaus alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der EU und den Verbrauchern“, so Peskow.

Vieles deutet zudem darauf hin, dass das russische Erdgasförderunternehmen ohnehin nicht in der Lage wäre, die plötzlichen Schwankungen in Europa aktuell allein auszugleichen. Auf Russland wird die europäische Union daher zur Lösung ihrer Energiekrise nur bedingt bis kaum setzen können.

Entscheidend wird somit letzten Endes sein, wie stark die Temperaturen im Winter sinken. Wenn es richtig kalt wird und wichtige Speicher weiter leer bleiben, könnte es jedenfalls noch mal deutlich teurer werden, prophezeien Experten. Und mehr noch: Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnt in einem aktuellen Bericht für den kommenden Winter sogar vor möglichen großflächigen Stromausfällen in Europa.

Für Verbraucher heißt es dann doppelt: Sie müssen sich warm anziehen.

Quelle: https://www.focus.de/finanzen/news/verbraucher-zahlen-rekord-preise-das-grosse-bibbern_id_24294695.html geladen am 01.10.2021

Breaking: Opel schließt Werk wegen Chipmangel

Wegen Chipmangel Opel schließt Werk in Eisenach bis Jahresende

Rund 1300 Mitarbeiter produzieren in Thüringen den Opel Grandland. Nun werden sie bis Ende des Jahres nach Hause geschickt – weil Halbleiter fehlen. 30.09.2021, 14.00 Uhr

»Grandland«-Produktion in Eisenach (Archivbild)

»Grandland«-Produktion in Eisenach (Archivbild) Foto: Martin Schutt/ dpa

Der Autobauer Opel schließt sein Werk in Eisenach wegen Lieferengpässen von kommender Woche an vorerst bis zum Jahresende. »Die globale Automobilindustrie befindet sich aufgrund der anhaltenden Pandemie und einem weltweiten Mangel an Halbleitern in einer Ausnahmesituation«, begründete ein Sprecher des zum europäischen Großkonzern Stellantis gehörenden Herstellers den Schritt.

In dieser »anspruchsvollen und unsicheren Lage« wolle das Unternehmen nun »Anpassungen der Produktion vornehmen.« Über die Produktionspause hatte zunächst die »Automobilwoche« berichtet.

Betroffen von der vorübergehenden Schließung des Werks in Thüringen sind nach Angaben des Sprechers 1300 Mitarbeiter. »Für die Beschäftigten ist Kurzarbeit vorgesehen, um die Maßnahme sozialverträglich zu gestalten.« Ein Teil der Produktion soll in der Zwischenzeit vorübergehend ins Werk Sochaux in Frankreich ausgelagert werden.

Wie viele Fahrzeuge durch den monatelangen Stillstand nun nicht vom Band rollen werden, lasse sich schwer abschätzen, da die Produktion wegen Lieferengpässen und langen Lieferzeiten ohnehin bereits reduziert gewesen sei, hieß es weiter. Die gesamte Automobilindustrie hat seit einiger Zeit mit Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern zu kämpfen. Mehr zum Thema

Opel produziert in Eisenach den Geländewagen Grandland in der Verbrenner- und Hybridversion. Anfang 2022 solle die Produktion des Grandland wieder anlaufen, sofern es die Lieferketten erlaubten, sagte ein Sprecher. Ein konkretes Datum für die Wiederaufnahme der Produktion in dem Werk wollte Opel auf Nachfrage aber nicht nennen.

Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/chipmangel-opel-schliesst-werk-in-eisenach-bis-jahresende-a-58cc8bcf-bc9c-4929-8a9b-da0350345408 geladen am 30.09.2021