Amtsgericht Weimar: Lockdown mit Kontaktverbot verfassungswidrig

Gerichtsentscheid in Thüringen

Spektakuläres Corona-Urteil: Richter nennt Lockdown „katastrophale Fehlentscheidung“

Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in Stuttgart.

dpa Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in Stuttgart.

Das Amtsgericht Weimar hat einen Mann freigesprochen, der im April 2020 gegen die Corona-Auflagen verstoßen hatte. FOCUS Online liegt das hochbrisante Urteil vor. Es stuft das vom Staat angeordnete allgemeine Kontaktverbot als verfassungswidrigen Tabubruch ein – und stellt damit die gesamte deutsche Lockdown-Politik infrage.

Manche Sätze dieses Gerichtsurteils muss man zweimal lesen. Nicht, weil sie juristisch so kompliziert wären, sondern weil sie politisch hochbrisant sind. Sie wirken direkt hinein in die aktuelle Debatte um Rechtmäßigkeit und Sinn staatlicher Schutzmaßnahmen im Kampf gegen Corona.

Dabei widersprechen die richterlichen Feststellungen zu großen Teilen der vorherrschenden Meinung von Wissenschaft und Politik – und dürften deshalb für viele Menschen überraschend kommen. Einige werden den Aussagen zustimmen und sich in ihrer Kritik am Kurs der Regierung bestätigt sehen. Andere werden die Argumentation des Gerichts nur schwer nachvollziehen können — und hoffen, dass das Urteil gekippt wird.

Amtsgericht: Lockdown mit Kontaktverbot verfassungswidrig

Worum genau geht es? Das Amtsgericht Weimar hat die Lockdown-Politik in Deutschland und das damit einhergehende allgemeine Kontaktverbot für illegal erklärt. Zwar bezieht sich das vor wenigen Tagen gefällte und noch nicht rechtskräftige Urteil auf einen Vorfall im Frühjahr 2020 in Thüringen. Doch das Gericht nahm in seiner Bewertung auch den bundesweiten „Wellenbrecher-Lockdown“ aus dem November 2020 ins Visier, der zweimal verlängert wurde und quasi bis heute gilt, sogar in verschärfter Form (Az.: 6 OWi – 523 Js 202518/20).

In seiner 19-seitigen Urteilsbegründung, die FOCUS Online vorliegt, stuft das Amtsgericht das allgemeine Kontaktverbot als „verfassungswidrig“ ein. Mit der Maßnahme habe der demokratische Rechtsstaat ein „Tabu verletzt“ und gegen die „als unantastbar garantierte Menschenwürde“ verstoßen. Die politischen Entscheider hätten „die Grundlagen der Gesellschaft“ angegriffen und die Freiheitsrechte der Menschen auf unzulässige Weise beschnitten. Die Eingriffe seien nämlich „unverhältnismäßig“ gewesen.

Urteil: Im Frühjahr kein „allgemeiner Gesundheitsnotstand“

Das Gericht bezeichnet die Lockdown-Maßnahmen in Thüringen und damit auch die Lockdown-Maßnahmen insgesamt als eine „katastrophale politische Fehlentscheidung mit dramatischen Konsequenzen für nahezu alle Lebensbereiche der Menschen“. Bei ihren gut gemeinten Bemühungen, ein Ausbreiten des Virus einzudämmen, habe sich die Politik zum Teil auf „falsche Annahmen“ gestützt oder gesicherte Fakten falsch interpretiert. Jedenfalls sei die Lage nicht allumfassend geprüft worden.

So habe im Frühjahr 2020 weder in Thüringen noch anderswo in Deutschland ein „allgemeiner Gesundheitsnotstand“ geherrscht, stellt das Gericht fest. Es bestand demnach weder die Gefahr, dass unser Gesundheitssystem zusammenbrechen würde, noch dass die Zahl der Todesfälle in „vollkommen andere Dimensionen“ steigen würde als bei den „regelmäßig vorkommenden Grippewellen“.

Deshalb habe der Staat kein Recht gehabt, einen Lockdown anzuordnen und damit „die umfassendsten und weitreichendsten Grundrechtseinschränkungen in der Geschichte der Bundesrepublik“ durchzusetzen.

Politiker und Wissenschaftler werteten Lage völlig anders

Die verantwortlichen Politiker haben das damalige Infektionsgeschehen und die daraus resultierende Bedrohungslage für die Bevölkerung freilich völlig anders eingeschätzt und aus ihrer Sicht absolut verantwortungsvoll gehandelt. Zudem standen sie in dieser Extremsituation unter großem Handlungsdruck.

Bei ihren Entscheidungen ließen und lassen sie sich von renommierten Wissenschaftlern beraten. Mit Sicherheit sind auch Top-Juristen involviert, die genau prüfen, ob die angedachten Maßnahmen rechtlich haltbar sind. Offenkundig kamen die Experten dabei zu gänzlich anderen Schlüssen als jetzt das Amtsgericht in Weimar.

Konkreter Fall: Acht Leute bei Geburtstagsfeier im Hinterhof

Dass sich ein kleines Gericht so intensiv in die nicht gerade unkomplizierte Materie einarbeitet, darf als außergewöhnlich bezeichnet werden. Schließlich stellte der zu beurteilende Sachverhalt lediglich eine Ordnungswidrigkeit mit einem angedrohten Bußgeld über 200 Euro dar: Ein junger Mann hatte am 24. April 2020 gemeinsam mit sieben Freunden in einem Hinterhof Geburtstag gefeiert. Damit verstieß er gegen die Thüringer Verordnung zum Schutz vor Corona. Dort stand, dass man sich höchstens „mit einer weiteren haushaltsfremden Person“ treffen dürfe.

Ähnliche Gesetzesverstöße beschäftigen Amtsgerichte in ganz Deutschland seit vielen Monaten. Doch während es dort oftmals nur um die Höhe des Bußgelds geht, hinterfragte das Amtsgericht Weimar die rechtlichen Grundlagen der politischen Entscheidung. Bei Rechtsverordnungen, die nicht vom Bundestag oder von einem Landtag beschlossen wurden, darf jedes Gericht selbst über die Verfassungsmäßigkeit befinden.

Urteil in Weimar: „Der Betroffene wird freigesprochen“

Nach sorgfältiger Abwägung aller Fakten kam das Gericht zu dem Schluss: „Der Betroffene wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen des Betroffenen hat die Staatskasse zu tragen.“

Die von dem Thüringer Gericht vorgetragenen Argumente sind bemerkenswert, weil sie nicht nur die Rechtmäßigkeit der Lockdown-Maßnahmen verneinen, sondern auch deren Wirksamkeit bestreiten.

So heißt es im Urteil, mit dem allgemeinen Kontaktverbot greife der Staat „die Grundlagen der Gesellschaft“ an, indem er physische Distanz zwischen den Bürgern erzwinge. Allerdings, so das Gericht: „Die Frage, wie viele Menschen ein Bürger zu sich nach Hause einlädt oder mit wie vielen Menschen eine Bürgerin sich im öffentlichen Raum trifft, um spazieren zu gehen, Sport zu treiben, einzukaufen oder auf einer Parkbank zu sitzen, hat den Staat grundsätzlich nicht zu interessieren.“

Allgemeines Kontaktverbot: Gericht erkennt „Tabubruch“

Das Gericht geht davon aus, dass es im Lauf der Corona-Krise innerhalb unserer Gesellschaft zu einer „Werteverschiebung“ gekommen ist. Dinge, die vorher undenkbar gewesen seien, würden viele Menschen inzwischen als „normal“ empfinden, auch in Bezug auf eingeschränkte Grundrechte. Dennoch könne „kein Zweifel“ daran bestehen, dass der demokratische Rechtsstaat mit einem allgemeinen Kontaktverbot „ein bisher als vollkommen selbstverständlich angesehenes Tabu verletzt“ habe.

Dem Bürger werde die grundlegende Freiheit genommen, selbst zu entscheiden, welchen Risiken er sich aussetzen will. Er könne nicht mehr frei wählen, ob er „abends ein Café oder eine Bar besucht“ und dabei eine „Infektion mit einem Atemwegsvirus in Kauf nimmt“ – oder ob er sicherheitshalber lieber zu Hause bleibt. Der Staat betrachte seine Bürger als Objekte, die mit Zwang „auf Abstand“ gebracht werden müssen, heißt es im Urteil. „Das freie Subjekt, das selbst Verantwortung für seine und die Gesundheit seiner Mitmenschen übernimmt, ist insoweit suspendiert.“

Lockdown: Zweifel an signifikanten positiven Effekten

All das wäre aus juristischer Sicht möglicherweise noch hinnehmbar, wenn sich der Staat in einer „ganz außergewöhnlichen Notlage“ befinden würde, so das Gericht. Etwa wenn ein „flächendeckender Zusammenbruch des Gesundheitssystems“ drohe oder sich abzeichnen würde, dass die Todeszahlen extrem stiegen. Solche Anzeichen kann das Gericht für den Zeitpunkt der zu bewertenden Ordnungswidrigkeit im Frühjahr 2020 jedoch nicht erkennen.

Außerdem sei von einem allgemeinen Kontaktverbot kein „substanzieller Beitrag zur positiven Beeinflussung einer Epidemie zu erwarten“. Der im November 2020 zunächst nur für einen Monat angeordnete und inzwischen zweimal verlängerte „Wellenbrecher-Lockdown“ würde bestätigen, dass „sich mit Lockdowns das Infektionsgeschehen und insbesondere die Zahl der tödlich verlaufenden Fälle nicht signifikant beeinflussen lässt“.

Auch in diesem Punkt vertreten viele Wissenschaftler und Politiker eine gänzlich andere Auffassung. Sie sehen es als zwingend notwendig – und rechtlich zulässig – an, die Kontakte zwischen Menschen auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Nur so ließen sich Neuansteckungen vermeiden und Infektionsketten effektiv nachverfolgen.

Entscheidung nicht allgemeingültig, aber mit Signalkraft

Bundesweite Bedeutung hat das Amtsgerichts-Urteil nicht. Die konkreten Auswirkungen beschränken sich allein auf den Kläger und die Stadt Weimar. Gleichwohl dürfte die Entscheidung  weit über die Grenzen Thüringens hinaus für Diskussionen sorgen und auch die Debatte unter Juristen vorantreiben. Schließlich gibt es in Deutschland bislang keine einheitliche Rechtsprechung zur Verfassungsmäßigkeit von Kontaktbeschränkungen.

Unbestritten ist, dass die Eingriffsmöglichkeiten des Staates in die Freiheitsrechte der Bürger begrenzt sind und in jedem einzelnen Fall sehr gut begründet sein müssen – auch oder gerade in einer pandemischen Lage. Das galt im Frühjahr 2020 ebenso wie im Januar 2021. Insofern bleibt die spannende Frage, wie das Gericht einen gleichgelagerten Vorfall bewerten würde, wenn er sich erst vor wenigen Tagen zugetragen hätte.

Staatsanwaltschaft strebt die Aufhebung des Urteils an

Die Infektionslage in Thüringen sowie im gesamten Bundesgebiet stellt sich mittlerweile deutlich dramatischer dar als im Frühjahr 2020. Die vom Gericht beanstandete Corona-Verordnung vom 18. April 2020 ist inzwischen durch andere Verordnungen des Landes ersetzt worden.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat mittlerweile beim Amtsgericht einen Antrag auf Zulassung einer Rechtsbeschwerde eingelegt, erklärte der Sprecher der Behörde, Hannes Grünseisen, an diesem Freitag. Damit wolle man erreichen, dass das Urteil mit den ihm zugrundeliegenden Feststellungen aufgehoben und einem anderen Richter zur Neuverhandlung übertragen wird.

Quelle: https://www.focus.de/politik/thueringer-urteil-bringt-regierung-in-erklaerungsnot-corona-hammer-gericht-nennt-lockdown-katastrophale-politische-fehlentscheidung_id_12899284.html geladen am 22.01.2021

Weiterführende Links:

Massenquaranäne auf Wikipedia

hier insbesondere

Wirksamkeit als Instrument zur Pandemie-Eindämmung

Corona-Krise beschleunigt Bargeldabschaffung

Zäsur für das Bezahlen : Wer bar zahlt, wird teils schräg angeschaut

Selbst beim Bäcker wird jetzt oft bargeldlos gezahlt. Bild: dpa

Die Bundesbank berichtet von einem starken Schub für die Kartenzahlung – und erwartet den E-Euro in fünf Jahren. Verschwindet das Bargeld ganz langsam aus unserem Alltag?

3 Min.

Was ihn überrascht habe, sei der starke Widerstand gegen das Bezahlen mit dem Smartphone gewesen, sagt Bundesbankvorstand Burkhard Balz: „Das hätte ich so nicht vermutet.“ Eine Erkenntnis von vielen: Die Bundesbank hat jetzt in einem aufwendigen Verfahren mehr als 5000 Menschen in Deutschland für ein bis drei Tage ein sogenanntes Zahlungstagebuch ausfüllen lassen. Darin sollten sie genau aufzeichnen, was sie gekauft und wie sie es bezahlt haben. Zudem wurden sie online und per Telefon mit Fragen rund um ihre Einstellungen zum Bezahlen gelöchert. Und zwar zwischen August und Oktober 2020, also mitten in der Corona-Krise, aber nicht im Lockdown. Das alles hat die Bundesbank dann mit einer ähnlichen Befragung vor drei Jahren verglichen.

Christian Siedenbiedel

Redakteur in der Wirtschaft.

Es zeigte sich zunächst, was man vermutet hätte: Die Corona-Krise hat dem bargeldlosen Bezahlen einen kräftigen Schub gegeben. Von allen erfassten Zahlungen an der Ladenkasse, in der Freizeit, im Onlinehandel und bei weiteren Zahlungsanlässen wurden demnach 30 Prozent mit einer Karte getätigt. In der gleichen Abgrenzung waren es vor drei Jahren lediglich 21 Prozent gewesen. Gleichzeitig sank der Anteil der Barzahlungen von 74 auf 60 Prozent. In anderen Abgrenzungen fällt der Anteil der Kartenzahlung am Zahlungsverkehr sogar noch deutlich höher aus. „Vor einem Jahr konnte man bei unserem Bäcker noch nicht mit Karte zahlen“, erinnert sich Balz. „Heute wird man dort schräg angesehen, wenn man noch Münzen zusammenzählt, um seine Brötchen zu bezahlen.“

Bundesbankvorstand Burkhard Balz erwartet den digitalen Euro in fünf Jahren: „Aber Sicherheit und Sorgfalt gehen vor Schnelligkeit.“
Bundesbankvorstand Burkhard Balz erwartet den digitalen Euro in fünf Jahren: „Aber Sicherheit und Sorgfalt gehen vor Schnelligkeit.“ : Bild: Deutsche Bundesbank

Einen besonderen Schub habe die Kartenzahlung in der Krise bekommen, weil sie die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens biete, berichtet die Bundesbank. Immerhin 21 Prozent der Nutzer des kontaktlosen Bezahlens gaben an, erst in der Coronapandemie damit angefangen zu haben. Viele Leute sagten zudem, sie planten ihre Einkäufe jetzt stärker als früher – und kauften mehr auf einmal ein.

Ohnehin ist in der Corona-Krise ein erheblicher Teil des Einkaufens ganz aufs Internet verlagert worden. 15 Prozent der Befragten gaben an, jetzt mindestens einmal die Woche im Netz einzukaufen, 33 Prozent, einmal im Monat. Dort dominierten als Bezahlformen den Beträgen nach die Kreditkarte (37 Prozent) vor Internetbezahlverfahren wie Paypal (33 Prozent) und Überweisungen und Lastschriften (27 Prozent). Insbesondere Neu-Kunden, die das Online-Shopping erst in der Krise so richtig entdeckt hätten, nutzten eher die Kreditkarte zum Bezahlen; Internetaffine dagegen tendenziell eher die verschiedenen speziellen Internetbezahlverfahren.

„Wir erwarten nicht, dass sich diese Entwicklung nach der Corona-Krise wieder umkehren wird“, sagte Balz. Wenn die Menschen sich an die Bequemlichkeit der Kartenzahlung gewöhnt hätten, dürften sie dabei bleiben. Zumal viele in der Umfrage angaben, nicht nur aus hygienischen Gründen wegen der Pandemie mit Karte zu zahlen, sondern auch, weil es praktischer sei und schneller gehe.

Diesmal keine Folge des „War on Cash“

Kein „War on Cash“, kein Krieg von Banken und Kreditkartengesellschaften gegen das Bargeld verzeichnet also Erfolge im Zurückdrängen von Scheinen und Münzen im Zahlungsverkehr – sondern ganz praktische Erwägungen, verbunden mit den vielfältigen Besonderheiten des Geschäftslebens in einer Pandemie. Gleichzeitig wird Bargeld zur Wertaufbewahrung aber weiter stark nachgefragt.

Hinsichtlich des Bezahlens mit dem Smartphone äußerten sich viele Leute in der Umfrage eher skeptisch – ähnlich wie gegenüber der Möglichkeit, in Zukunft ihr Girokonto bei einem der „Big Tech“-Konzerne wie Amazon, Apple, Facebook oder Google führen zu lassen. Das gilt für Ältere allerdings mehr als für Junge. Immerhin 13 Prozent sagten, sie hätten schon mal mit dem Smartphone bezahlt. Von den anderen sagten 70 Prozent, sie hätten dafür „keinen Bedarf“, 47 Prozent äußerten Sicherheitsbedenken. Balz erinnerte allerdings daran, dass in den 1980er Jahren vermutlich viele auch gesagt hätten, sie benötigten kein Handy, ohne dass dies den Siegeszug des Mobilfunks aufgehalten hätte.

Recht gering war auch der Anteil der Menschen, die in der Praxis schon mal in Kontakt mit Bitcoin gekommen sind. 3 Prozent sagten, sie hätten schon mal Krypto-Token gekauft, weitere 3 Prozent gaben an, das zu erwägen. 80 Prozent sagten, sie könnten sich das nicht vorstellen.

Die Bundesbank zeichnete das Bild einer Gesellschaft, die sich trotz aller Anhänglichkeit an das Bargeld immer stärker in Richtung elektronisches Bezahlen bewegt – die Corona-Krise übernimmt dabei nur die Rolle eines Beschleunigers.

All das müsse man im Blick haben, wenn es jetzt darum gehe, die Zukunft eines digitalen Euro zu planen. „Ich teile die Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass fünf Jahre ein realistischer Zeitraum sind, bis wann wir den digitalen Euro haben werden“, sagte Bundesbankvorstand Balz. Er selbst sei Mitglied in einer „High Level Taskforce“ der europäischen Notenbanken zu diesem Thema, die bis Mitte des Jahres ihre Empfehlung über das weitere Vorgehen abgeben wolle, berichtete Balz: „Ich teile allerdings auch die Einschätzung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann, dass Sicherheit und Sorgfalt in dieser Frage vor Schnelligkeit gehen.“

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/bundesbank-schub-fuer-kartenzahlung-und-aussicht-auf-den-e-euro-17146201.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE geladen am 20.01.2021

Der digitale Euro oder E-Euro kommt in 5 Jahren

EZB drängt auf digitalen Euro – Lagarde: „Werden digitalen Euro haben“

rtr, dpa

Die Europäische Zentralbank geht davon aus, dass es einen digitalen Euro geben wird. Schon Mitte 2021 soll die Entscheidung darüber fallen.

EZB-Chefin Christine Lagarde rechnet mit der Einführung eines digitalen Euro in der Eurozone in den nächsten Jahren. „Wir werden einen digitalen Euro haben“, sagte sie am Mittwoch in einem Interview auf dem Online-Forum „Reuters Next“.

„Das ist nicht für morgen, das wird einige Zeit benötigen, um sicherzustellen, dass es etwas gibt, was sicher ist.“ Sie hoffe, dass dies nicht länger als fünf Jahre dauern werde. Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis etwa Mitte des laufenden Jahres entscheiden, ob ein entsprechendes Projekt gestartet werden soll.

Das ist den Bürgern bei einem digitalen Euro wichtig

Dazu hatte die EZB auch die Bürger um ihre Meinung zu einem E-Euro befragt: 8.221 Antworten von Bürgerinnen und Bürgern, Firmen und Verbänden seien eingegangen, teilten die Währungshüter zum Abschluss der dreimonatigen Konsultationen am Mittwoch in Frankfurt mit.

Wichtig ist den Teilnehmern vor allem der Datenschutz bei Zahlungen (41 Prozent der Antworten), Sicherheit (17 Prozent) sowie europaweite Reichweite (10 Prozent) einer möglichen digitalen Version der Gemeinschaftswährung.

Löst ein digitaler Euro das Bargeld ab?

Ein E-Euro wäre eine Antwort auf privatwirtschaftliche Initiativen wie Bitcoins. Der große Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen stünde ein digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert.

Auch andere Notenbanken beschäftigen sich mit digitalem Zentralbankgeld – und sind zum Teil schon deutlich weiter als das Eurosystem. Schein und Münze abschaffen will die EZB ausdrücklich nicht. Ein digitaler Euro würde die Auswahl an Zahlungsmitteln vergrößern.

Quelle: https://www.t-online.de/finanzen/news/unternehmen-verbraucher/id_89273804/ezb-draengt-auf-digitalen-euro-lagarde-werden-digitalen-euro-haben-.html geladen am 18.01.2021

Allianz Riester-Rente senkt Rechnungszins

Ich habe heute ein Schreiben der Allianz Lebensversicherungs-AG erhalten, dass der Rechnungszins meiner Allianz RiesterRente von 1,75 % auf 1, 25 % gesenkt wird. Dadurch ändert sich der Rentenfaktor von bislang 34,19 auf künftig 31,64.

Leider enthält das Schreiben keinerlei Hinweise darauf, wie ich die fehlende Rente im Alter ausgleichen könnte.

Deshalb habe ich zwei weitere Artikel zur Rente und zu Versorgungswerken unter Finanzberatung veröffentlicht:

https://radiofan79.wordpress.com/finanzberatung

https://radiofan79.wordpress.com/finanzberatung/die-rente

https://radiofan79.wordpress.com/finanzberatung/versorgungswerke

Nachtrag:

Die Allianz hatte bereits im Jahr 2017 ein Anpassung des Rechnungszinses von 2,75 % auf 1,75 % vorgenommen.

Das Wikipedia Versprechen – 20 Jahre Wissen für alle?

Das Wikipedia Versprechen – 20 Jahre Wissen für alle? ist ein deutscher Dokumentarfilm der Regisseure Lorenza Castella und Jascha Hannover aus dem Jahr 2021 für den WDR in Zusammenarbeit mit arte.

https://www.arte.tv/de/videos/093704-000-A/das-wikipedia-versprechen

Handlung

Der Film wirft einen Blick auf die zwanzigjährige Geschichte der Wikipedia. Gezeigt wird die Entwicklung vom Vorläufer Nupedia über den Start des Projektes im Jahr 2001 bis hin zum Jahr 2020, in dem Wikipedia sich mit über 50 Millionen Artikeln in vielen Sprachen zur mit Abstand größten Enzyklopädie aller Zeiten entwickelt hat.

Zu Wort kommen neben den Gründern Jimmy Wales und Larry Sanger auch Autoren und Autorinnen aus Deutschland, Frankreich, Ghana, Südafrika, den Vereinigten Staaten und weiteren Ländern.

Thematisiert werden sowohl Erfolge wie auch kritische Aspekte des Projektes, unter anderem die Einflussnahme durch Politiker, Staaten und Unternehmen, oder die Unter-Repräsentanz von Frauenbiografien und Themen aus Afrika oder Asien im Artikelbestand.

Gegen Ende des Filmes wird ein südafrikanischer Wikipedianer mit der Muttersprache Xitsonga vorgestellt, der darüber enttäuscht war, dass es bei seinem ersten Kontakt in der xitsongasprachigen Wikipedia lediglich um die achtzig Artikel gab. Erweitern und bearbeiten könne er sie nicht ohne weiteres, da die Wikipedia schriftliche, verifizierbare Quellen erfordert, seine Kultur aber hauptsächlich anhand der mündlichen Weitergabe von Geschichten, Legenden und Mythen über Generationen Informationen weitergegeben würde. Die schriftlich festgehaltenen, belegbaren Informationen würden hauptsächlich von „kolonialistischen, weißen Europäern“ festgehalten und teilweise deutlich von den Ansichten und Informationen der betroffenen Ethnie abweichen. Nicht alle Informationen der Menschheit würden als verifizierbare, schriftlich festgehaltene Information, sondern vieles auch in Form von mündlicher Überlieferung weitergegeben, was die Wikipedia auf Grund ihrer Qualitätskriterien mit der Pflicht zur Belegbarkeit daher nicht abbilden könne. Es wird im weiteren Verlauf des Filmes diskutiert, ob eine weitere Neuerung der Wikipedia notwendig sei, die das Festhalten von Informationen aus mündlicher Überlieferung ebenfalls möglich mache. In diesem Kontext wird auch erörtert, ob die bisherige Konzeption von Wissen (Verifizierbarkeit und schriftlicher Aufzeichnung) eurozentristisch sei, und falls ja, ob eine Wikipedia, die ausschließlich auf den schriftlichen, verifizierbaren Informationen aufbaut, als „neutral“ bezeichnet werden könne, oder lediglich eine westliche, eurozentristische Sicht widerspiegle.

Produktion und Veröffentlichung

Der Film ist eine Produktion der Florianfilm GmbH im Auftrag des WDR und in Zusammenarbeit mit arte.

Die Erstausstrahlung im deutschen Free-TV erfolgte am 5. Januar 2021 um 23:50 Uhr bei arte. In der arte-Mediathek war der Film bereits zwei Tage zuvor abrufbar.

Rezeption

In seiner Kritik für den Deutschlandfunk Kultur bezeichnete Matthias Dell den Film als guten Überblick über die Geschichte des Projektes, der versuche, vieles „abzuwägen und zu verobjektivieren“; darüber hinaus bliebe der Film leider nur im Ungefähren[1] und funktioniere „wie ein durchschnittlicher Wikipedia-Eintrag“.[2] Die Diskussion über Standards der Wissensproduktion sei der stärkste Teil des Films: „Wenn es etwa darum geht, wie westliche Standards der Wissensproduktion und -distribution in Teilen der Welt gelten sollen, die nicht westlich geprägt sind und stärker durch die mündliche Weitergabe von Wissen geprägt sind. Oder wieso Relevanz in Ghana davon abhängen soll, was US-amerikanische Publikationen abbilden.“[2] Wie objektiv Wissen sein könne, was Standards seien für Relevanz in einer globalen Perspektive oder welche Rolle die Wikipedia in der medialen Plattformökonomie spielen könnte, zu solchen Fragen sei der Film kein anregender Beitrag. Manche „Jubelcollagen“ hinterließen bei Dell gar den Eindruck, es handele sich um einen „Werbefilm“ für die Wikipedia.[1]

Weblinks

Quelle: Seite „Das Wikipedia Versprechen – 20 Jahre Wissen für alle?“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Januar 2021, 19:47 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Das_Wikipedia_Versprechen_%E2%80%93_20_Jahre_Wissen_f%C3%BCr_alle%3F&oldid=207683523 (Abgerufen: 16. Januar 2021, 10:16 UTC)

Katherine Maher über Wikipedia

Katherine Maher: „Wikipedia kann zuweilen unglaublich anstrengend sein“

Wie heißt noch mal dieser Schauspieler aus diesem einen Film? Seit 20 Jahren beantwortet Wikipedia solche Fragen. Chefin Katherine Maher über die Politik der Enzyklopädie
Katherine Maher: Ein Bild aus Zeiten, in denen es noch Massenevents gab: Wikimedia-Chefin Katherine Maher auf dem Web Summit in Lissabon im November 2019
Ein Bild aus Zeiten, in denen es noch Massenevents gab: Wikimedia-Chefin Katherine Maher auf dem Web Summit in Lissabon im November 2019 © Horacio Villalobos/​Getty Images

Wikipedia startete am 15. Januar 2001 als verrücktes Experiment: Ist es möglich, eine Enzyklopädie ohne Redaktion oder einen Verlag zu schreiben – nur basierend auf den Einträgen von Nutzerinnen und Nutzern? 20 Jahre später kann man sagen: Ja. Die Online-Enzyklopädie hat heute mehr als 50 Millionen Artikel in 285 Sprachen versammelt. Millionen Nutzer weltweit vertrauen auf sie, um Informationen über Covid-19, die US-Verfassung oder über die neueste Netflix-Serie nachzuschlagen. Verantwortlich für den Betrieb ist die spendenfinanzierte US-Stiftung Wikimedia Foundation, die die Server betreibt und versucht, die unbezahlten Autorinnen und Autoren zu unterstützen. Katherine Maher leitet die Stiftung mit Sitz in San Francisco seit 2016.

ZEIT ONLINE: Frau Maher, erinnern Sie sich noch, wann Sie zum ersten Mal von Wikipedia gehört haben?

Katherine Maher: Das nicht, aber ich weiß noch genau, wie ich das erste Mal versucht habe, einen Artikel zu ändern. Das war 2004 oder 2005. Ich war noch Universitätsstudentin, saß in meinem Apartment in New York und versuchte herauszufinden, wie das Wiki und der Texteditor funktionierte. Damals dachte ich: Das ist ein wirklich spannendes Projekt.

ZEIT ONLINE: Wie war die Erfahrung, als Sie bei der Wikimedia Foundation angefangen haben?

Maher: Ich kannte die Arbeit in Open-Source-Projekten bereits von meinen vorigen Arbeitsstellen. Aber ich war beeindruckt, mit wie wenigen Mitteln die Mitarbeiter der Foundation dieses riesige Projekt stemmen können, auf das sich so viele Hoffnungen auf der ganzen Welt richten.

ZEIT ONLINE: Ist die Wikipedia für Sie ein politisches Projekt?

Maher: Wenn wir „politisch“ als „parteipolitisch“ begreifen, ist die Wikipedia kein politisches Projekt. Wikipedia versucht, nicht Partei zu ergreifen. Aber sie ist sicher ein politisches Projekt in dem Sinne, dass sie versucht, Veränderungen in der Welt zu bewirken und die Idee freien Wissens zu fördern. Und damit steht Wikipedia entgegen der traditionellen Weise, wie Wissen früher erzeugt und gepflegt wurde. In dem Sinne, dass Wikipedia eine Veränderung zum Besseren bewirken will, dass sie die Idee des freien Wissens für alle vertritt, ist es ein politisches Projekt.

ZEIT ONLINE: Und ist die Wikimedia Foundation eine politische Organisation?

Maher: Ich glaube nicht. Die Stiftung ist dazu da, die Wikimedia-Bewegung zu unterstützen. Natürlich haben wir viele Leute in der Bewegung, die in ihrer Community oder Gesellschaft einen Wandel erreichen wollen. Das könnte man als politisch beschreiben. Aber im Wesentlichen dreht sich Wikipedia um die Werte wie das Recht auf Information und die Freiheit, Fragen zu stellen – und ich glaube, diese Werte sollten universell gelten und nicht als politisch verstanden werden. Aber natürlich sehe ich, dass es in der heutigen Zeit einen politischen Aspekt unserer Aktivitäten gibt.

ZEIT ONLINE: Auch wenn Wikipedia keine Partei ergreifen will, kommt sie um politische Konflikte nicht herum. In Indien gab es dieses Jahr eine Kampagne gegen Wikipedia, weil Autoren angeblich gegen Hinduisten eingestellt seien. Pakistan verlangt hingegen, Inhalte zu löschen, die als antimuslimisch wahrgenommen werden. Wie gehen Sie damit um?

Maher: Wenn wir Forderungen erhalten, gewisse Inhalte zu löschen, dann prüfen wir diese Forderungen und binden in der Regel die Wikipedianer vor Ort ein. Die lokalen Communitys haben bessere Möglichkeiten, eine Lösung zu finden – etwa einen Artikel klarer zu formulieren oder die Fakten besser zu belegen. Zuweilen geht es aber um reinen politischen Druck und um Einschüchterung. Da haben wir eine ganz klare Haltung: Wir löschen keine akkurat formulierten Inhalte, die gut belegt sind.

Wie Wikipedia diverser werden soll

ZEIT ONLINE: Das bedeutet aber auch, dass die Wikipedia in manchen Staaten gesperrt wird.

Maher: Richtig. Derzeit werden wir, glaube ich, in China zensiert.

ZEIT ONLINE: Was ist mit der Politik innerhalb der Wikipedia? Sind die Interessen der Enzyklopädie und die der Wikimedia Foundation immer auf einer Linie?

Maher: Nein, aber die Wikipedia-Communitys selbst sind auch nicht immer auf einer Linie. Wenn man zehn Wikipedianer befragt, bekommt man oft 20 Meinungen. Wir haben jeden Monat mehr als 250.000 Nutzer mit unterschiedlichen Sprachen und sozialen Kontexten. Für uns ist es wichtig, dass wir Einigkeit in unseren Werten und unserer gemeinsamen Mission haben. Aber es ist vollkommen in Ordnung, wenn wir keine Einigkeit in Fragen der Taktik haben.

ZEIT ONLINE: Ein erklärtes Ziel der Wikimedia Foundation ist es, die Beteiligung von Menschen zu erhöhen, die in den ersten Jahren bei Wikipedia nicht viel zu sagen hatten, insbesondere den Anteil von Frauen. Ist die Wikipedia zu männerdominiert?

Maher: Es kommt auf die Frage an, in welchen Teilen der Wikipedia man sich umsieht. Aber ja: Wir erkennen, dass Männer global den größten Teil der Wikipedia-Autoren stellen. Und wir wollen das ändern, weil wir glauben, dass es unmöglich ist, die Vision der Wikipedia zu erfüllen, das Wissen der Menschheit zu sammeln, wenn wir keine Autorenschaft haben, die die Vielfalt der Welt widerspiegelt.

ZEIT ONLINE: Wie kann die erreicht werden?

Maher: Wir haben in den vergangenen Jahren viel ausprobiert. Aus meiner Perspektive ist es am wichtigsten, Frauen Räume und Zugangswege zu bieten, um an dem Projekt teilzunehmen. Wir haben festgestellt, dass Frauen an sozialen Anlässen wie dem gemeinsamen Editieren von Wikipedia-Artikeln mehr Spaß haben. Als Zweites ist wichtig, dass die bisher nicht repräsentierten Gruppen einen Eindruck davon bekommen, welchen Wert ihre Arbeit für das Projekt hat. Wikipedia kann zuweilen unglaublich anstrengend sein wegen der sehr intensiven Diskussionen, die zuweilen auch ins Unhöfliche umkippen. Wir haben gesehen: Wenn das passiert, ziehen sich insbesondere Frauen von der Plattform zurück.

ZEIT ONLINE: Wie wollen Sie gegensteuern?

Maher: In unseren Strategie-Zielen für 2030 haben wir den Aufbau eines globalen Verhaltenskodex vorgesehen, in dem klargestellt wird, wie sich die Mitglieder der Community verhalten und sich gegenseitig respektieren sollen. Dies ist ein zentraler Aspekt. Wir wollen neue Autoren einladen mit der Erwartung, dass sie teilnehmen können, ohne gleich eine negative Erfahrung zu machen. In der Vergangenheit war es so: Wenn man angefangen hat, in der Wikipedia mitzuschreiben, war man auf sich allein gestellt und es gab keine wirkliche Erklärung, wie die Wikipedia funktioniert und welche Beiträge erwünscht sind. Wir haben in der koreanischen und arabischen Wikipedia-Ausgabe Experimente gestartet, wie man diese Erfahrung für neue Autoren verbessern kann, wie man ihnen bessere Rückmeldung geben kann, dass die Arbeit, die sie leisten, wertvoll ist – auch wenn sie nur die Grammatik eines Artikels verbessern oder eine Quelle hinzufügen. Dies war nicht nur für Frauen ein Gewinn. Neue Nutzer sollten direkt begreifen, welchen Wert ihre Arbeit hat.

ZEIT ONLINE: Greift die Wikimedia Foundation auch in die Wikipedia-Community ein und verbannt Editoren, die anderen Leuten das Leben schwer machen?

Maher: Als Stiftung kommentieren wir keine Einzelfälle, warum Nutzern die Schreibrechte entzogen wurden. Aber generell gilt: Wir wollen an sich keine Institution sein, die routinemäßig Teilnehmer von der Plattform ausschließt. Wir legen Wert darauf, dass ein Community-Mitglied das eigene Verhalten anpassen kann. Ziel ist es, den Mitgliedern Klarheit zu geben, welche Beschwerdemöglichkeiten sie haben und welche Sanktionen es geben kann. Der Zugang zu den Projekten soll so offen wie möglich sein.

„Experimente erweisen sich oft als die Zukunft der Wikipedia“

ZEIT ONLINE: Ein lang gehegtes Ziel der Wikimedia Foundation ist es, den Anteil der Wikipedia-Communitys in Entwicklungsländern zu steigern. Machen Sie Fortschritte?

Maher: Es gibt mittlerweile viele neue Wikipedia-Vereine in Entwicklungsländern wie in Subsahara-Afrika, was ich als großartiges Signal sehe. Als Nächstes müssen wir uns bemühen, dass auch die Autorenschaft wächst. Hierzu versuchen wir, das Schreiben von Wikipedia-Artikeln zu vereinfachen. Unser neuer Editor für Mobilgeräte wurde zum Beispiel sehr gut angenommen. Reicht die Entwicklung, um den Rückstand zu Industriestaaten aufzuholen? Bisher nicht. Aber machen wir Fortschritte? Absolut.

ZEIT ONLINE: Ein neues Projekt namens Abstract Wikipedia oder Wikifunctions versucht, Wikipedia-Artikel automatisiert aus einer Faktendatenbank zu erstellen. Ist das nur ein Experiment oder die Zukunft von Wikipedia?

Maher: Nun, es passiert oft, dass sich Experimente als die Zukunft von Wikipedia erweisen. Es geht bei Abstract Wikipedia um eine Art Machbarkeitsbeweis: Wir wollen herausfinden, ob es möglich ist, Zusammenhänge unabhängig von einer spezifischen Sprache abzubilden. Das Projekt hat sogar schneller Fahrt aufgenommen, als wir erwartet haben. Ob es zum Erfolg wird, bleibt noch abzuwarten. Wir sind aber definitiv bereit, dem Projekt mehrere Jahre Zeit zur Entwicklung zu geben.

ZEIT ONLINE: Liegt die Zukunft von Wikipedia in maschinengeschriebenen Artikeln?

Maher: Ich glaube, dass die automatisierte Unterstützung von Autoren die Zukunft von Wikipedia ist. Wir haben schon immer Techniken benutzt, um die Community unterstützen, wie zum Beispiel Bots, die Entwicklungen in der Wikipedia überwachen. Die Frage ist eher: Wie unterstützen wir menschliche Autoren dabei, diesen riesigen Wissensfundus von Wikipedia möglichst effektiv zu nutzen? Auch wenn wir Algorithmen dazu entwickeln, sind wir immer noch auf die menschlichen Autoren angewiesen, um zu entscheiden, welche Struktur ein Artikel haben sollte oder welche Informationen im Kontext besonders wichtig sind. Maschinen können uns das nicht abnehmen.

Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2021-01/katherine-maher-wikipedia-wikimedia-foundation-chefin-online-enzyklopaedie-unabhaengigkeit/komplettansicht geladen am 15.01.2020

Deutschlandweite Übersicht der Mietkosten

In Bayern wird es teuer

So viel müssen Sie verdienen, um sich in Deutschland eine Wohnung mieten zu können

 
Christoph Sackmann
 

Maximal 30 Prozent Ihres Einkommens sollten Sie für Miete ausgeben, empfehlen Finanzexperten. Doch welches Bruttoeinkommen bräuchten Sie bei dieser Faustregel, um sich eine Wohnung in München, Berlin oder auf dem Land in Brandenburg leisten zu können? Wir haben die Zahlen für 2021.

105.000 Euro Jahreseinkommen sollten Sie schon mitbringen, wenn Sie in München wohnen wollen. Damit liegt die bayrische Landeshauptstadt an der Spitze einer Auswertung aller 401 deutschen Städte und Landkreise für 2021. Wir haben dabei untersucht, wie viel Geld Sie jeweils verdienen müssten, um sich in einer Region eine durchschnittliche Wohnung von 68 Quadratmetern anzumieten und dabei für die Miete nicht mehr als 30 Prozent Ihres Einkommens auszugeben.

München führt das Ranking dabei erwartungsgemäß an, und das sogar doppelt. Denn auf Platz 2 landet der Landkreis München, der etwa Städte wie Ismaning, Unterföhring und Neubiberg umfasst und Heimat von Großkonzerne wie Infineon, ProSieben und Sixt ist. Mit den Landkreisen Starnberg, Fürstenfeldbruck, Dachau und Ebersberg landet das Münchner Umland sogar noch vier weitere Male in den Top Ten.

Nur die reichsten fünf Prozent können sich teuerste Regionen leisten

Die werden komplettiert von einigen anderen Großstädten: Auf Platz 3 liegt die Finanzmetropole Frankfurt am Main. Hier würden Sie für eine durchschnittliche Wohnung ein Jahreseinkommen von 81.211 Euro benötigen. Einen Platz dahinter in Stuttgart sind es 79.152 Euro. Freiburg im Breisgau landet mit 71.877 Euro auf Platz 7 und Heidelberg mit 69.018 Euro auf Platz 10. Dafür müssten Sie jeweils schon zu den reichsten fünf Prozent der Bevölkerung gehören, um sich das leisten zu können.

 
 
Die Alternativen sind deutlich: Wer in München oder vielen anderen Großstädten (siehe Karte) wohnen möchte, muss entweder auf kleinerem Raum leben, sich eine Wohnung mit mehreren Personen teilen und/oder deutlich mehr als die empfohlenen 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete ausgeben.

Am günstigsten ist es auf dem platten Land

Der letzte Ausweg ist, weg aus den Metropolen in günstigere Gegenden zu ziehen. Die liegen zumeist auf dem Land und – wenn es ganz günstig sein soll – auf dem ostdeutschen Land. Im Vogtlandkreis in Sachsen reicht schon ein Monatsbruttoeinkommen von 2303 Euro für 68 Quadratmeter. Das wären bescheidene 27.636 Euro im Jahr. Oder anders ausgedrückt: Mit den für München nötigen 105.000 Euro könnten Sie sich im Vogtlandkreis fast vier Wohnungen leisten.

Den vorletzten Platz teilen sich der Landkreis Görlitz am äußersten Zipfel Sachsens und der Landkreis Holzminden in Niedersachsen. Hier sind 22.618 Euro im Jahr nötig. Unter den zehn preiswertesten Landkreisen befinden sich drei in Sachsen und zwei in Niedersachsen. Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind jeweils einmal vertreten.

Die preiswerteste Großstadt ist Chemnitz in Sachsen. Hier lassen sich 68 Quadratmeter mit 30.284 Euro Jahresbruttoeinkommen bequem finanzieren. Ebenfalls günstig sind Hagen in Nordrhein-Westfalen (32.723 Euro), Frankfurt an der Oder in Brandenburg (33.345 Euro), Bremerhaven in Bremen (33.506 Euro) und Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen (33.553 Euro).

So haben wir gerechnet

Unsere Rechnung geht davon aus, dass Sie eine durchschnittliche Wohnung anmieten wollen. Laut Statistischem Bundesamt wohnen Singles derzeit auf durchschnittlich 68 Quadratmetern. Die durchschnittlichen Kaltmieten pro Region haben wir dem Postbank Wohnatlas 2020 entnommen und durchschnittliche Nebenkosten von 2,17 Euro pro Quadratmeter hinzugerechnet.

 
 Prämisse ist, dass die dadurch entstehende Gesamtmiete für eine Wohnung 30 Prozent des Nettoeinkommens ausmachen soll. Um von diesem Wert auf das nötige Bruttoeinkommen zurückzurechnen, haben wir bereits mit den Daten für 2021 gerechnet. Das beinhaltet einen Zusatzbeitrag zur Krankenkasse von 1,3 Prozent und berücksichtigt auch gegenüber den Vorjahren gestiegene Beitragsbemessungsgrenzen und steuerfreie Abzüge für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

Trotzdem sind die genannten Werte nicht fix. Sie liegen im individuellen Fall anders, wenn Sie etwa einen anderen Zusatzbeitrag für ihre Krankenkasse zahlen, nicht in der Arbeitslosenversicherung versichert sind und/oder aus der Kirche ausgetreten sind. Nicht berücksichtigt sind auch Kinderfreibeträge und Steuermodelle für Paare mit anderen Steuerklassen.

Quelle: https://www.focus.de/immobilien/zahlen-fuer-2021-so-viel-muessen-sie-verdienen-um-sich-in-deutschland-eine-wohnung-mieten-zu-koennen_id_12858778.html geladen am 13.01.2021

Mehr Firmenpleiten im Dezember

Deutsche Wirtschaft

Mehr Firmenpleiten im Dezember

Die Zahl der Insolvenzen beginnt nach neuen Daten des Statistischen Bundesamts wieder zu steigen. Die Wiedereinführung der Antragspflicht für Unternehmen sorgt offenbar für eine Trendwende.
Geschlossenes Geschäft in Berlin (Symbolbild)
Geschlossenes Geschäft in Berlin (Symbolbild)

Foto: Jens Kalaene / dpa

Bitcoin-Rally bis 40 000 USD

Nächste Schlappe droht

Bitcoin-Rally am Ende? Wirtschaftshistoriker warnen vor schmerzhaften Einbrüchen

Bitcoin-Korrektur: Gewinnmitnahmen drücken BTC-Kurs

Shutterstock Bitcoin eilt von Rekord zu Rekord – Wirtschaftshistorikern droht aber bald die nächste Schlappe.

Bitcoin steigt über 40.000 Dollar. Grund genug für Wirtschaftshistoriker, dessen kurze Geschichte genauer zu betrachten. Ergebnis: Die Kryptowährung hat einen Wachstumsschub, von dem sie sich auch nicht mehr abbringen lassen wird. Allerdings sind kurzfristige und auch schmerzliche Einbrüche sicher. Einen davon gab es in dieser Nacht.

Der Kleine hat einen Wachstumsschub: Die Kryptowährung Bitcoin , die erst vor zwölf Jahren das Licht der Welt erblickt hat, gewinnt derzeit massiv an Wert. Nachdem zum Jahreswechsel knapp 30.000 Dollar pro Bitcoin fällig wurden, kletterte die Krypotwährung in den Tagen darauf bis auf 42.000 Dollar – um in der Nacht zu Montag zwischenzeitlich um mehr als 8.000 Dollar einzubrechen. Die Volatilität ist extrem.

Mit jedem Kurssprung, den niemand genau erklären kann, steigt die Zahl der Fans – und der Kritiker. Die einen investieren mit Blick auf das schnelle Geld. Die anderen warnen und bezeichnen die digitale Währung als „Schneeballsystem“. Sie vergleichen den Hype mit der berüchtigten Tulpenzwiebel-Blase aus dem Jahr 1637 in den Niederlanden. Die Tulpen-Manie ist die erste gut dokumentierte Spekulationsblase in der Wirtschaftsgeschichte. Und die Dokumentare sind es auch, die angesichts der aktuellen Bitcon-Manie jetzt einen Blick auf den Kleinen mit den großen Muskeln werfen.

In den USA hat sich eine regelrechte Zunft der Bitcoin-Jünger entwickelt, was Grund genug für Wirtschaftshistoriker wie etwa die der Zeitschrift „Fortune“ ist, die Wachstumsschübe der digitalen Währung, aber auch ihre Aussetzer und Unterbrechungen kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Bitcoin steuert dem Ende dieser Rally entgegen

Das Ergebnis: Der Zwölfjährige erreicht demnächst wieder das Maß, von dem an er gestutzt wird. Es ist dann Schluss mit der Rally. Wie immer bei Investitionsentscheidungen fragen sich die Geldgeber aber nach dem genauen Zeitpunkt, an dem die Rally abgebrochen wird. Um da nicht falsch zu liegen, empfehlen die Fortune-Autoren ein Blick in die Historie.

Sie haben dazu die Entwicklung des Bitcoins in fünf Perioden eingeteilt – alles Strecken, in denen der Preis in schneller Abfolge massiv nach oben schoss, um anschließend mit noch größerer Dramatik wieder nach unten zu rauschen – meistens auf ein Niveau, das tiefer war, als das von dem aus er zu seiner Rekordjagd aufgebrochen war. Und sie machen die Gründe für diese rasante Achterbahnfahrt aus, die entscheidend sind, um am Ende die nächste Blase, und deren Platzen vorhersagen zu können.

Ihr Grundton ist dabei optimistisch: „Finanzblasen können durch Überoptimismus in Bezug auf die Wirksamkeit von Innovationen entstehen“, schreiben sie. Auf lange Sicht allerdings zahlten sich die Innovationen doch noch aus. Als Beispiel nennt einer der Autoren der Bitcoin-Historie David Morris die Dotcom-Blase von 1999. Sie platzte ein Jahr später, eine Dekade danach begann jedoch der nachhaltige Aufstieg der Dotcom-Firmen.

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Bitcoin hat sich 2020 mehr als verdoppelt – und die Aussichten für einen weiteren Anstieg sind gut. Am 8.12. hat Bitcoin-Experte Jörg Hermsdorf erklärt, was die Treiber der Rally sind und wie Sie am besten in Bitcoin investieren. HIER geht es zur Aufzeichnung!

Die Probleme der Wissenschaftler bei der Untersuchung der Bitcoin-Historie beginnen bereits bei der Festlegung des jeweiligen Bitcoin-Wertes in den vergangenen Jahren. Viele der Bitcoin-Marktplätze, auf denen die historischen Preise festgelegt wurden, existieren nicht mehr. So war Mt. Gox bis 2014 einer der weltweit größten Handelsplätze für Bitcoins. Es wurde 2009 als Tauschplatz für Sammelkarten gegründet, im Jahr 2010 zu einer Bitcoin-Börse umgewandelt und im August 2013 wurden 60 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumens über die Plattform vermittelt, bevor die Betreiber ein Jahr später am 28. Februar 2014 bei einem japanischen Bezirksgericht Insolvenz anmeldeten. Sie hatten sich verzockt. Bis zum Jahr 2012 stützen sich die Autoren der ersten einschlägigen historischen Darstellung deswegen auf die Börse 99bitcoins.com, für Preise danach auf CoinGecko, eine Online-Plattform, die den Wert von Kryptowährungen in Echtzeit verfolgt.

Der Dollar-Paritäts-Tag

Periode eins reicht von Februar bis April 2011 und nennt sich der „DPDay“, der Dollar-Paritätstag. Damals erreichte der Bitcoin-Bullenlauf im Februar seinen Höhepunkt, ein Bitcoin war kurzzeitig mehr wert als ein Dollar. Der Aufstieg der Kryptowährung bis hin zu dieser Marke war für ihre Entwicklung von enormer Bedeutung. Er begann bereits im Juli 2010. Der Bitcoin war nur ein paar Cent pro Dollar wert, als er erstmals auf „Slashdot“ erwähnt wird, einer Nachrichtenplattform für Technikfreaks. Der Beitrag brachte einschlägige Entwickler wie Jeff Garzik und Jed McCaleb zusammen.

Das gestiegene Interesse führte dazu, dass der Preis eines Bitcoins am 10. Februar 2011 auf einen Dollar stieg, was einen zweiten Beitrag auf Slashdot zur Folge hatte, der weitere Aufmerksamkeit erregte. Dieser Grundzyklus, so schreibt Morris, ist immer noch eine wichtige Dynamik des Bitcoin-Marktes: Echte technologische oder infrastrukturelle Fortschritte treiben den Preis in die Höhe, dann erzeugt der Preis selbst ein weiteres, weniger nachhaltiges Wachstum.

Beule auf der Seidenstraße

Die erste wirklich wilde Bitcoin-Blase und damit Periode zwei beginnt kurze Zeit später mit einem Artikel vom 1. Juni 2011 über den „Seidenstraßen“-Markt im Darknet auf der inzwischen nicht mehr existierenden Nachrichtenseite Gawker. Der Artikel beschrieb teilweise bar jeder Fakten, wie Drogen illegal und anonym mit Bitcoin auf einer versteckten Website gekauft werden können. Er erschien unmittelbar nach der Öffnung mehrerer neuer Bitcoin-Börsen, wodurch der Kauf des Tokens einfacher wurde. Die Kombination aus Aufmerksamkeit und Zugang katapultierte den Wert eines Bitcoins in nur einer Woche von zehn auf fast 30 US-Dollar. Dann brach der Hype in sich zusammen, und die Währung sackte monatelang ab, bis sie bei wenig mehr als zwei Dollar landete.

Bitcoin durchbricht Tausender-Marke

Knapp drei Jahre nachdem der Bitcoin die Barriere für die Dollar-Parität durchbrochen hatte, näherte er sich einer weiteren entscheidenden Schwelle und knackte Ende November 2013 die 1000 Dollar-Marke. Doch der Preis war rein spekulationsgetrieben und hielt nicht mal zwei Wochen.

Bis Mitte Dezember war er um die Hälfte eingebrochen. Es war als klebte Blei am Kurs, zwei Jahre lang ging es von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Im Januar 2015 lag er bei vergleichsweise bescheidenen 172 Dollar. Die Preise haben nach dem ersten Durchbruch mehr als drei Jahre lang keine 1000 Dollar geschafft.

Der Tränenmacher

Die bisher verrückteste aller Bitcoin-Blasen setzt mit Periode vier 2017 ein. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass es Investoren diesmal gar nicht auf den Bitcoin abgesehen hatten. Stattdessen wurde der Bullenlauf 2017 größtenteils von einer Welle neu geprägter sogenannter „alternativer“ Kryptowährungen angeheizt, die mit großen Erwartungen starteten. Die allgemeine Euphorie zog den Bitcoin mit, so dass er am 15. Dezember 2017 bei 19.665 Dollar landete.

Zu seinem Lauf trug bei, dass ein neuartiges Verfahren, das als Initial Coin Offering (ICO) bekannt wurde, es den Gründern der neuen Währungen ermöglichte, ihre Angebote direkt an Anleger zu verkaufen. Der Spekulation war Tür und Tor geöffnet, tausende Investoren bestätigten sich immer wieder selbst in dem, worin sie ihr Geld anlegten. Wie jede Blase nährte sich auch diese selbst, weil unter den Anlegern die Angst etwas zu verpassen verbreiterter war als die Vernunft, die tatsächlichen Werte hinter den Kryptowährungen zu sehen. Der Bitcoin profitierte von der Raserei, aber sein Anteil am gesamten Kryptomarkt fiel.

Das alles endete natürlich in Tränen. Nur eine Woche nach dem Höhepunkt fiel der Bitcoin um mehr als 25 Prozent. Andere Kryptowährungen brachen noch weiter ein. Langfristig erwiesen sich viele der Kryptowährungsprojekte als dreiste Betrugsfälle. ICOs werden seitdem von der US-Börsenaufsicht als illegale Wertpapierangebote eingestuft und verfolgt. Der Bitcoin stand genau ein Jahr nach dem Höhepunkt am 15. Dezember 2018 bei 3164 Dollar. Selbst ein Profi wie der japanische Tech-Mogul Masayoshi Son von SoftBank soll in der Kryptoblase 2017 rund 130 Millionen Dollar verloren haben – angeblich aus seinem persönlichen Vermögen. Son kaufte nahe dem Rekordhoch bei 20.000 Dollar und verkaufte mit massivem Verlust. Er hätte warten sollen.

Diesmal ist es … anders?

Wir stecken mitten in Periode fünf. Veteranen der wilden Achterbahnfahrt des Bitcoin argumentieren, dass der derzeitige Anlauf entscheidend anders ist. Sie verweisen darauf, dass ICOs verboten und damit die schlimmsten Exzesse von Betrügern und ihrer Gier verhindert werden. Dazu kommt eine durch die Pandemie ausgelöste weltweite Wirtschaftskrise, die die Staaten zu Schuldenorgien zwingt. Die Folgen bei herkömmlichen Währungen sind bekannt und reichen bis zur Deflation. Die Hoffnung ist da, dass sich digitale Währungen von diesem Trend lösen können. Die wachsende Präsenz regulierter Banken und börsennotierter Unternehmen auf dem gesamten Kryptomarkt geben ein völlig neues Gefühl der Normalität.

Aber der Bitcoin, so wiederholen die historisch orientierter Ökonomen, sei immer noch ein spekulativer und riskanter Vermögenswert. „Wenn die Geschichte eine Lehrerin ist“, so schreiben sie, „wird es auf Bitcoins Reise zum Mond“ noch mehr als eine Handvoll Rückschritte geben.

Quelle: https://www.focus.de/finanzen/boerse/kryptowaehrungen/schlappe-da-wirtschaftshistoriker-sagen-naechste-bitcoin-schlappe-voraus_id_12836389.html geladen am 11.01.2021

Sarah Wagenknecht über alternative Corona-Maßnahmen

Weitergedacht – Die Wagenknecht-Kolumne

Politik muss Kurzfrist-Brille absetzen: Es gibt Alternativen zum Endlos-Lockdown

FOCUS Online

Falsche Dosis? Oder falsches Medikament? Bevor wir uns in einem Endlos-Lockdown einrichten, der alle paar Wochen verschärft wird und immer mehr Existenzen zerstört, sollten wir dringend prüfen, ob die beschlossenen Maßnahmen überhaupt Sinn ergeben. Es gibt gute Alternativen.

Wenn die Medizin nicht wirkt, erhöhe die Dosis. Dieser Ratschlag mag bei manchen Therapien zum Erfolg führen. Er kann aber auch fatale Folgen haben. Dann nämlich, wenn die Wirkungslosigkeit nicht an der Dosierung liegt, sondern daran, dass es schlicht die falsche Medizin ist. Dann führt die Erhöhung der Dosis zu mehr und möglicherweise gefährlicheren Nebenwirkungen, ohne dass sich die erhoffte Linderung einstellt.

Über die Gastautorin

Dr. Sahra Wagenknecht war von Oktober 2015 bis November 2019 Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag. Zuvor war sie seit 2011 Stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion und bis 2011 wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Bevor sie im September 2009 in den Bundestag gewählt wurde, war Sahra Wagenknecht bis Juni 2009 Abgeordnete im Europaparlament. Nach ihrem Studium der Neueren Deutschen Literatur und Philosophie in Jena, Berlin und Groningen, das sie 1996 abschloss, promovierte Sahra Wagenknecht 2012 in Chemnitz in Wirtschaftswissenschaften. Sahra Wagenknecht ist Autorin zahlreicher Bücher zu wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Themen und publiziert in verschiedenen Zeitungen. Ihr jüngster Bestseller trägt den Titel „Reichtum ohne Gier“ (Campus Verlag). Neben ihren Publikationen betreibt sie außerdem einen eigenen Youtube Kanal, auf dem sie mit „Bessere Zeiten – Wagenknechts Wochenschau“ wöchentlich die drängenden Themen dieser Zeit kommentiert und über Hintergründe spricht.

dpa/Getty Images

Nachdem Gesundheitsminister Spahn viele Ladenbesitzer im Herbst noch mit der Bemerkung beruhigt hatte, „niemals wieder“ würden aus Gründen des Infektionsschutzes flächendeckend die Läden dicht gemacht, geht der im Dezember dann doch beschlossene Lockdown jetzt in die Verlängerung und wird durch zusätzliche Einschränkungen verschärft. Das Ende ist offen und nicht absehbar. Denn wer glaubt denn im Ernst, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, auf die sich die an den Beschlüssen beteiligten Politiker mantraartig beziehen, am 31. Januar wieder unter 50 liegen könnte? Auch die Hoffnung, dass das Anfang März der Fall sein könnte, ist gering. Zumal dank der chaotischen Impfstrategie auch von dieser Seite kurzfristig keine spürbare Reduzierung der Infektionen zu erwarten ist.

Es ist also ziemlich klar: Wenn das formulierte Kriterium ernst gemeint ist – was man angesichts der vielen erratischen Wendungen der handelnden Politiker natürlich nicht weiß – , aber wenn tatsächlich auf eine Inzidenz unter 50, vielleicht gar unter 25 gewartet werden soll, müssen wir davon ausgehen, dass das komplette erste Quartal 2021 für Einzelhändler, Restaurantbesitzer, Friseure, Künstler, Veranstalter, Fitnessstudiobetreiber, Kosmetikerinnen und alle anderen schon 2020 schwer gebeutelten Berufsgruppen ein komplett verlorenes Quartal sein wird. Wie viele danach überhaupt noch in der Lage sein werden, ihr Gewerbe fortzuführen, ist eine offene Frage. Ebenso offen wie die, wie sehr jeder Monat geschlossener Schulen die Perspektive all der Kinder und Jugendlichen verdüstert, die nicht das Glück haben, dass ihre akademisch gebildeten und möglichst im Homeoffice tätigen Eltern mit ihnen den Schulstoff üben können.

Schnelltests für Alten- und Pflegeheime hätten Leben retten können

Ja, die aktuellen Zustände in vielen Krankenhäusern und Pflegeheimen sind ernst. Tausende Pflegekräfte leisten Übermenschliches und können trotzdem viele Menschenleben nicht retten. Es wäre nicht zu verantworten, diese Situation, die schon jetzt viele Krankenhäuser an die Grenze ihrer Möglichkeiten bringt, weiter eskalieren zu lassen. Aber fällt wirklich niemandem auf, dass die Einschränkungen seit November und deren Verschärfung im Dezember in den Krankenhäusern kaum Erleichterung gebracht haben? Ehe man sich mit dem spekulativen Hinweis beruhigt, ohne die Maßnahmen wäre alles sicher noch viel schlimmer, könnte man immerhin einmal die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Zahl der Intensivpatienten vielleicht auch deshalb so hoch geblieben ist, weil die beschlossenen Maßnahmen nicht besonders sinnvoll waren.

30.000 Menschen sind im letzten Jahr an und mit Corona gestorben. Knapp ein Drittel davon allein im Dezember. Die meisten waren über 80 Jahre alt. Am Schlimmsten hat das Virus in den Alten- und Pflegeheimen gewütet. Allein in Hessen waren 86 Prozent der Toten Bewohner von Pflegeheimen. Für die anderen Bundesländer gibt es unterschiedliche Zahlen, aber es ist ziemlich klar: Die Mehrheit der Verstorbenen hat zuvor in einer Betreuungseinrichtung gelebt. Zumindest bei Bewohnern von Pflegeheimen ist nun allerdings wenig wahrscheinlich, dass sie sich das Virus bei einer Shoppingtour oder einem Restaurantbesuch zugezogen haben, auch Training in einem Fitnessstudio kann als Ursache ausgeschlossen werden. All diese Menschen wurden infiziert, weil entweder Besucher oder Pflegepersonal ihnen das Virus ins Heim gebracht haben. Tausende Menschenleben hätten also durch eine schlichte Maßnahme gerettet werden können: einen Schnelltest für jeden, der ein Heim betreten möchte.

Theoretisch gehört genau das seit Dezember zu den gesetzlichen Auflagen. Dass die Verpflichtung nicht eingehalten wurde, lag nicht an einem Mangel verfügbarer Tests. Es lag daran, dass das völlig überlastete Pflegepersonal es einfach nicht schafft, zusätzlich zu ihrer sonstigen Arbeit auch noch jeden Besucher zu testen. Dass das so ist, wusste man freilich auch im Dezember schon – oder hätte es zumindest wissen können.

Um einen Schnelltest ordnungsgemäß durchzuführen, braucht es keine abgeschlossene Pflegeausbildung, dafür reicht eine kurze Schulung. Es wäre also möglich gewesen, das Testproblem kurzfristig zu lösen. Stattdessen haben die politisch Verantwortlichen das Drama in den Pflegeheimen noch anderthalb Monate ungebrochen weiterlaufen lassen und lieber ausgiebig darüber diskutiert, wie viele Familienangehörige sich zu Weihnachten treffen können und ob auch Radfahrer in Risikostraßen eine Maske tragen müssen. Erst jetzt wurde endlich beschlossen, dass die Arbeitsämter entsprechende Kurse anbieten sollen. In welcher Größenordnung das geschieht und wie lange es braucht, bis wirklich in allen Heimen getestet werden kann, steht in den Sternen. Dabei ist das eine Schlüsselfrage, die für die Situation in den Krankenhäusern und dafür, wie viele Menschen noch an Covid 19 sterben werden, ungleich wichtiger ist als die, ob wir unseren Wintermantel in der Innenstadt oder online kaufen und ob Kinder endlich wieder die Kita oder die Schule besuchen dürfen.

Ladenschließungen: Das Risiko wird auf Postboten und Paketpacker verlagert

Apropos Einkaufen: Die Schließung aller Läden wird damit begründet, dass die Begegnungen der Menschen beim Einkauf ein Infektionsrisiko darstellen. Das mag stimmen oder nicht, es gibt bisher wenig belastbare Daten und Untersuchungen dazu. Klar ist: Wer nicht mehr im Laden einkaufen kann, wird das, was er benötigt, online bestellen. Aber auch wenn gerade Weihnachten war: Die online bestellten Päckchen fallen weder vom Himmel noch werden sie vom Christkind gepackt und verteilt. Auch damit wir am Ende die bestellte Ware in den Händen halten, müssen sich Menschen begegnen. Sie begegnen sich nur woanders. Nämlich nicht mit Maske und Mindestabstand im stationären Einzelhandel, sondern bevorzugt in einem Logistikzentrum von Amazon, wo seit Monaten auf Hochtouren gearbeitet wird. Denn ein Großteil des Geschäfts, das den kleinen Einzelhändlern jetzt so schmerzlich fehlt, ist ausgerechnet zu dem Online-Giganten, Steuerminimierer und hundsmiserablen Arbeitgeber Amazon abgewandert.

Anders als Kaufhäuser und Ladenlokale sind die Amazon-Logistikzentren allerdings bereits mehrfach als Corona-Hotspots auffällig geworden, was angesichts mieser Arbeitsbedingungen und geringer Schutzmaßnahmen nicht erstaunlich ist. Der Lockdown treibt also nicht nur viele kleine Händler in den Ruin, er verlagert die Begegnungen der Menschen auch in einen Bereich, der offenbar mit Blick auf das Infektionsgeschehen weit gefährlicher ist als der Einkauf in der Innenstadt. Eine wirklich gelungene Strategie!

Wenn das Paket das Logistikzentrum verlässt, muss es natürlich auch noch zugestellt werden. Dafür muss der Paketbote am Tag an rund 200 Türen klingeln und dort 200 Menschen treffen. Warum das so viel weniger problematisch sein soll als die Begegnung im Geschäft, nun ja, auch der wohlwollendste Beobachter versteht es nicht.

Rodeln verboten, doch Großraumbüros bleiben voll

Als besonderes Schmankerl hat man jetzt auch noch beschlossen, dass in den Corona-Hotspots der Bewegungsradius der Menschen auf 15 Kilometer eingeschränkt werden soll. Also natürlich nicht auf dem Weg zur Arbeit, da darf man sich beliebig lange in gut gefüllte Busse und Bahnen quetschen. Aber dass ein Stadtbewohner an einem freien Tag ins Umland fährt und einen Waldspaziergang macht oder gar mit der Familie auf verschneiten Hängen rodelt, das wäre ein ernster Gesetzesbruch. Auch da bleibt der tiefere Sinn im Dunkeln. Bisher galt eigentlich als Binsenweisheit, dass Bewegung an freier Luft zu dem Besten gehört, was Menschen für ihre Gesundheit tun können.

Ein befreundetes Ehepaar darf man fortan auch nicht mehr treffen, sondern allenfalls noch dessen bessere Hälfte. Aber im schlecht belüfteten Großraumbüro mit Dutzenden Kollegen zu sitzen, weil der Arbeitgeber Homeoffice nicht erlaubt, hält die Kanzlerin offenbar für so unbedenklich, dass sie sich hier, im Gegensatz zu den drakonischen Regeln für den privaten Raum, auf höfliches Bitten beschränkt. Wer das überzeugend findet, bitte melden.

Aufs Wesentliche konzentrieren: auf Risikogruppen konzentrieren

Am Ende bleibt nur eine Bilanz: Der Lockdown, so wie er beschlossen wurde, hat mit Blick auf die Infektion kaum etwas gebracht, aber er hat verheerende Folgen für Wirtschaft und Arbeitsplätze, für die Innenstädte und für das kulturelle Leben. Viel spricht dafür, dass neben dem privaten Bereich die wichtigsten Übertragungen am Arbeitsplatz und auf dem Weg dahin stattfinden. Wer wirklich glaubt, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, die Übertragungswege zu kappen, der müsste nicht Restaurants und Einzelhändler schließen, sondern vor allem verhindern, dass sich jeden Tag Millionen Menschen in Bus und Bahn und an ihren Arbeitsplätzen begegnen. Ein solcher Weg würde die Infektionszahlen sicher verringern, für die wirtschaftliche und soziale Situation in unserem Land wäre er allerdings noch problematischer als der, den wir bisher gegangen sind.

Aber wenn das so ist, dann gibt es doch nur eine Alternative: sich darauf zu konzentrieren, die zu schützen, die mit der größten Wahrscheinlichkeit ernsthaft erkranken und sterben können. Das entscheidet sich unter anderem daran, ob es bald gelingt, den Pflegeheimen genug Personal zur Verfügung zu stellen, damit Tests flächendeckend durchgeführt werden können.

Zweitens sollte man sich natürlich bemühen, den Schutz am Arbeitsplatz, so weit das irgend geht, zu verbessern, statt in erster Linie das Privatleben zu reglementieren. Dazu würde gehören, die Arbeitgeber nicht zu bitten, sondern zu verpflichten, überall, wo es möglich ist, ihre Beschäftigten von zuhause arbeiten zu lassen.

Eine dritte dringliche Maßnahme wäre, die Personalausstattung der Krankenhäuser zu erhöhen. Was aktuell vor allem fehlt, sind ja nicht Intensivbetten und Apparate, sondern Krankenpflegerinnen und -pfleger. Wären nicht im Zuge der Kommerzialisierung und Privatisierung des Gesundheitswesens zehntausende Stellen eingespart worden, kämen die Krankenhäuser heute mit der Situation weit besser zurecht. Wer jetzt sagt, der Pflegenotstand lasse sich kurzfristig nicht beheben, sollte bedenken, dass es in Deutschland über 300.000 ausgebildete Pflegekräfte gibt, die wegen der katastrophalen Arbeitsbedingungen ihrem Beruf den Rücken gekehrt haben. Mehr als die Hälfte davon wäre laut Umfragen bereit, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten, wenn die Bezahlung und vor allem das Arbeitsumfeld verbessert würden. Statt Abermilliarden für endlose Lockdowns zu verpulvern, wäre das Geld in den Krankenhäusern also sehr viel besser angelegt.

Sinnvolle Schritte statt planlosem Aktionismus

Zu einer sinnvollen Alternativstrategie gehört schließlich, nicht mehr einseitig auf die Förderung von Impfstoffen zu setzen, bei denen bis heute nicht klar ist, ob die Immunisierung länger als sechs Monate anhält und ob es bisher unbekannte langfristige Nebenwirkungen gibt, die vor allem für jüngere Menschen ins Gewicht fallen. Längst hätten sehr viel größere Anstrengungen und sehr viel mehr öffentliche Gelder in die Entwicklung von Medikamenten investiert werden müssen, die schwere Corona-Verläufe und mögliche Folgeschäden verhindern. Deutsche Hersteller, die bereits vielversprechende Mittel entwickelt haben, die sich in der Testphase befinden, wurden bisher komplett allein gelassen. Dass Bundesforschungsministerin Karliczek jetzt – fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie! – endlich ein öffentliches Förderprogramm für die Medikamentenentwicklung vorgestellt hat, ist zwar ein erster Schritt. Aber dass das gesamte Programm mit einem mageren Budget von 50 Millionen Euro ausgestattet wurde, weniger als ein Zehntel dessen, was allein Biontech für die Impfstoffentwicklung bekommen hat, zeigt, wie falsch nach wie vor die Prioritäten gesetzt werden.

Es gibt Alternativen zum Endlos-Lockdown. Dafür allerdings muss die Politik die Kurzfrist-Brille absetzen, sich auf belastbare Zahlen stützen und sich auf die Schritte konzentrieren, die uns wirklich weiterbringen, statt in planlosem Aktionismus Handlungsfähigkeit zu simulieren, die am Ende eher schadet als nützt.

Quelle: https://www.focus.de/politik/experten/weitergedacht-die-wagenknecht-kolumne-statt-planlosem-aktionismus-wie-wir-jetzt-einen-endlos-lockdown-vermeiden_id_12847058.html geladen am 08.01.2021